Rott, Hans
Kunst und Künstler am Baden-Durlacher Hof bis zur Gründung Karlsruhes — Karlsruhe, 1917

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diesem Onkel Karls, der Heitersheim mit vielen Bauwerken schmückte und »mit einem köst-
lichen Brunnen in Mitte des Hoff, auf welches Stock sein Bildtnus vorhanden«.1)

Vor der Verlegung der Residenz von Pforzheim nach Durlach hielt sich der Markgraf
des Sommers oft monatelang im Schloß Mühlburg auf (Abbild, bei Friedrich VI. unten), wo
er 1-555 größere Bauten, wahrscheinlich den Palas mit dem Treppenturm, aufführen ließ.2)
Bei dem unfernen ehemaligen Kloster Gottesau legte er große Seen für Fischkultur an, für
die ihm Herzog Christoph von Württemberg Schwäne verehrte.3)

Im Jahre 1558 erbaute Karl zu Pforzheim die neue Kanzlei, da die bisherige zu weit
vom Schloß entfernt unten in der Stadt sich befand. Von dem in nächster Nähe zwischen dem
Barfüßerkloster und dem Stadtgraben gelegenen stattlichen, mit einem Treppenturm ver-
sehenen, im XIX. Jahrhundert aber abgerissenen Gebäude ist nur noch die schöne, von einem
an der Karlsburg nachmals tätigen Bildhauer gemeißelte Wappentafel im Garten der früheren
Domänenverwaltung übrig. Da die Inschrift der an ungeschützter Stelle angebrachten
Gründunofstafel dem Untero/anof entgfetrenyeht und überall in der lokalen Literatur fehlerhaft
wiedergegeben ist, lasse ich sie hier in genauer Lesung folgen:

Cafolus has princeps Badenus construit aedes,

ut sint consiliis curia sancta bonis.

Hic populo par est aequas praescribere leges,

omnibus ex merito reddere jura suo,

ambiguas justo decidere tramite causas

et celeri miseras fine juvare preces.

Hinc procul affectus animi seponere pravos

et rem judicio noscere quamque bono.

Auch die Residenz selbst erstellte 1557 ihr Rathaus, das in dem Franzosenbrand später
zugrunde ging.

Im Anfang seines Regierungsantritts entstand der Archivbau, jenes an die ehemalige
Domänenverwaltung anlehnende, in allen drei Stockwerken eingewölbte Gebäude, an das
nach Osten hin der Palas der Residenz anschloß. Dem Rippengewölbe im dritten Geschoß des
1553 aufgerichteten Archivs ließ Markgraf Karl 1561 seine und seiner beiden Gemahlinnen
Kunigunde und Anna Wappentafeln in schöner Ausführung einfügen. Die werktüchtige
Renaissancetür an der Südwand stammt von dem Meister der plastischen Arbeiten in der
Durlacher Karlsburg.4) In den ersten Jahren seiner Regierung sind vermutlich auch die
Stukkaturen im »Rittersaal« des Pforzheimer Schlosses angebracht worden, die Herzog
Christoph von Württemberg 1564 durch seinen Hofstukkateur besichtigen ließ, um nach
ihrem Muster die Residenz zu Stuttgart auszieren zu lassen. °)

') Pantaleon, 1. c. III (1570) p. 413. Georg Bombast lebte von 1500 bis 1566.

2) Die Ansicht der heute verschwundenen Tiefburg bei Karlsruhe auf Grund einer Zeichnung Schmalkalders
1689, eines gleichzeitigen Planes und von Ausgrabungen durch Prof. O. Linde-Karlsruhe genau rekonstruiert. Nähers
Abbildung in: »Die Umgebung der Stadt Karlsruhe« ist Phantasie. — G.L.A., Gottesauer Akten, Stiftungsgut. Unterm
5. Nov. 1555 der Befehl des Markgrafen, daß der Bau vor Winter noch gedeckt und die Ziegel dazu von Gottesau
geliefert werden sollen — Korresp. Karls mit Christoph v. Württemb. in den Kabinettsakten des Stuttgarter H. u.
St.Archivs für die Jahre 1553 —1565.

3) Chr. Fr. v. Stalin, Württemb. Geschichte IV, 2 p. 765. Auch eine Bärin schickte er ihm für den Schloß-
graben. Kabinettsakten 1. c. — Pantaleon, 1. c. III (1566) p. 526: »Duos etiam insignes lacus juxta monasterium
Gotzaw magno subditorum commodo instituit et sumptuose praeparavit.«

4) Die Zahl 1553 an einer Kaminverdachung in dem schmalen südlichen Verbindungsgang; das Datum 1561
an der Wappentafel Karls. — Pflüger nennt 1862 diesen Bau, dessen ursprünglicher Zweck z. Z. noch nicht bestimmt
werden kann, »Amtskellerei«, p. 449. Jedenfalls wurden hier Archivalien und amtliche Dokumente aufbewahrt.

3) Stuttgart. H. u. St.Archiv, Kabinettsakten III, Herzog Christophs vertraulicher Briefwechsel mit Markgr. Karl
v. Baden 1550 —1568 fol. 63. Christoph an Karl IL, Stuttg., 23. Febr. 1564: »Wir haben gegenwertigen briefs zaiger
unsern dincher abgevertigt, sich geen Pfortzheim zu verfliegen und allda mit E. L. verwilligen die ritterstuben und
ander dincherwerck im schloß nach notturft zu besichtigen, wie und weichermaßen dieselbig allenthalber gedincht

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