Rott, Hans
Kunst und Künstler am Baden-Durlacher Hof bis zur Gründung Karlsruhes — Karlsruhe, 1917

Seite: 122
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beide mit hohen Gehältern angestellt wurden') und von denen Grießenbeck die Verpflichtung
hatte, in dieser Kunst einen Lehrjungen zu unterrichten. Goldwäscher zu Eggenstein, Linken-
heim und Hochstetten lieferten das Edelmetall aus dem Rhein, mit dem die zierlichen Gefäße
gefaßt oder in Treibarbeit hergestellt wurden.2) Unter den Prachtstücken des Zähringer
Museums, den Resten einstiger berühmter »Schauessen« aus der Karlsburg des XVII. Jahr-
hunderts, mag noch das eine und andere seine Entstehung dem kunstliebenden Markgrafen
verdanken, der es nicht unter seiner Würde hielt, öfters die Arbeiten seiner Maler, Bildhauer,
Kunstdreher, Erzgießer und Ingenieure zu besichtigen, um sich ein selbständiges, gesundes
Urteil zu bilden; denn »von den Gelehrten und Künstlern war er ein großer Liebhaber«.3) Von
Basel bezog er französische Gläser; von dortigen Goldschmieden wurden silberne Schalen
und fürstlicher Schmuck für den Durlacher Hof hergestellt.4)

Markgraf Eriedrich war ein eifriger Sammler von Kunstgegenständen und Altertümern,
vor allem der Münzen und Medaillen. Merian der Jüngere und dessen Gönner, der Haus-
hofmeister Joh. Elsener von Löwenstern zu Durlach, der sprachbegabte Dichter und Hofrat
Joh. Chr. Keck, ein gewiegter Kenner der Antiquitäten,5) vor allem aber der französische Arzt
und hervorragende Numismatiker Charles Patin, der Friedrich VI. den Dritten Brief seines
Reisewerkes 1671 zueignete, in dem er seine mannigfachen Beobachtungen am Durlacher Hof
schilderte: Sie alle waren Berater des Markgrafen in Sachen der Kunst und der Altertümer.
Patin, ein begeisterter Verehrer und Kenner Holbeins, dem er eine besondere Schrift widmete,6)
machte ihn auf den großen Basler aufmerksam, ebenso auf das an Gemälden, Plastiken,
Medaillen und seltenen Büchern reiche Kunstkabinett des dortigen Stadtsekretärs und Sammlers
Seb. Bäsch, eines Neffen des noch hervorragenderen Kunstliebhabers Remigius Bäsch und
intimen Freundes des französischen Numismatikers.') Der Franzose plauderte dem Mark-
grafen von Holbein, erzählte ihm von den Ausgrabungen und Funden zu Kaiseraugst, erklärte
die Inschriften der römischen Meilensteine, die Friedrich von ihrem Standort auf dem Turm-
berg in den Schloßgarten bringen und dort in einem besonderen Bezirk hatte aufstellen
lassen.s)

Im Schloß hatte Friedrich VI. »einen Vorrat schöner Gemälde und römischer Alter-
tümer« vereinigt; dort war eine Ahnengalerie zusammengebracht, in der man sein im
großen Speisesaal aufgehängtes Konterfei und das seines Ahnen Rudolf VII. sah, von dessen
12 Fuß langer Leibesgröße man sich Fabeln erzählte und dem der späte Enkel an statt-
lichem Körperbau nicht unähnlich war.9) In der Karlsburg hingen sogar, wenn wir einem

') G.L.A., Diener und Dienste unter Grießenbeck zum 14. Nov. 167 1 (206 fl.) und unter Graf zum i.Nov 1673
(250 fl.).

2) Keck, Panegyricus p. 65: »Vasa praesertim ex amethysto et jaspide, gemmis e sole marchico effossis, affabre
exsculpta, et scyphi grandes auro solidi, ex arena praeterlabentis Rheni lotionibus curatissimis elicito.« G.L.A., Mühl-
burg Amt. »Goldwaide.«

3) Der badische Archivar Drollinger über Friedrich VI. in Iselins Lexikon, 172g, II, 395 (unten p. 125 Anm. 3).
Keck, 1. c. 64: »Pictorum, sculptorum, tornatorum, fusorum, machinatorum aliorumque id genus artificum inspexisse
crebrius labores nec imperitius aestimavisse, scrupulose referre forsan nihil attineat.« — Schöpflin IV, 298.

4) G.L.A., Herrsch. Rütteln fasc. 211 passim.

•') Ch. Patin, Relations historiques et curieuses, Straßburg 167 1, p. 143; Vierordt, Ge-sch. der . . . aus Durlach
nach Karlsruhe verpflanzten Mittelschule, 1858/59, p. 114 ff". Keck aus Oberschopfheim bei Offenburg, ein glänzender
Redner, schon 1659 markgräflicher Geheimsekretär, war dann zwölf Jahre lang Ephorus des Gymnasiums. K. G. Fecht,
Gesch. d. Stadt Durlach p. 344.

6) Ch. Patin, Index operum Joh. Holbenii, in dessen Ausgabe von Erasmus' Encomium moriae, Basel 1676.

') Ch. Patin, Relations historiques et curieuses, p. 112, 121; E. Major, Das Fäschische Museum und die
Fäschischen Inventare, im Jahresbericht d. öffentl. Kunstsammlungen in Basel LX (1908) p. 20.

8) »A mille pas de vötre chateau, monseigneur, il y a une petite montagne, separee de toutes les autres

on appelle cette tour Hohe Graetzingen.« Patin, 1. c. 140 f.; Abbild, eines Meilensteines p. 117 f.; 139 f. _ Ib. J. h'

May, Vita Reuchlini, 1687, p. 104.

9) J. H. May, Vita Reuchlini p. 116. — Keck, Panegyricus p. 79: »Rudolpho gentili suo (si vera, nec in miraculum
corrupta de eins magnitudine circumferuntur) justius comparari poterat; in cuius speciem efficta imago, ex pariete
principalis coenaculi suspensa, minus mirabundorum oculis inhaeret, ex quo inter penatium iconas, tanquam divus in
lararium receptus, Fridericus Sextus pictus erat.«

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