Ryss, Sonja
Maria Magdalena in der toskanischen Malerei des Trecento — Heidelberg, 1909

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Einleitung.

Die Gestalt der Maria Magdalena gehört zu den hervor-
ragendsten und den beliebtesten der christlichen Kunst. Der
Entwickelung des Typus nachzugehen, die verschiedenen Dar-
stellungen aus der geistigen Individualität und dem techni-
schen Können der Künstler zu erklären, ist von hohem Reiz.
Gerade in der Auffassung und Gestaltung dieser Heiligen,
die oft als Hauptfigur, noch öfter aber als Begleitfigur,
immer aber mit sehr ausgesprochenem Charakter auftritt,
können wir mit besonderer Deutlichkeit die Wandlungen der
Künstlerideale überhaupt in einem kleinen Ausschnitt ver-
folgen.
Schier unübersehbar ist die Literatur über das Leben
und den Kultus der hl. Maria Magdalena, die sich seit dem
16. Jahrhundert hauptsächlich in Frankreich, aber auch in
Deutschland, England und andererorts angesammelt hat.
Zahlreiche Aufsätze, aber auch sehr umfangreiche Spezial-
werke suchen das Dunkel zu lüften, das ihre Persönlichkeit
und die Wandlungen ihres Geschicks umschliesst. Ihre von
den Evangelien erzählten Beziehungen zu Christus, das
Wunderbare ihres späteren Lebens, Wirkens und ihres Todes,
wie es von der Tradition bald zur Legende ausgebildet wurde,
all das empfahl sich schon früh dem besonderen Interesse
der Gläubigen und dem Studium der Gelehrten.
Hier ist nicht der Ort, alle Fragen, die sich an ihr
Leben und ihren Kultus knüpfen, eingehend zu besprechen.
Einiges muss jedoch kurz erörtert werden, weil es an sich
interessant ist, dem Leben und der ungewöhnlich verwickelten
Legende dieser Gestalt nachzugehen, und weil eine solche
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