Ryss, Sonja
Maria Magdalena in der toskanischen Malerei des Trecento — Heidelberg, 1909

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nur zwei grosse Bäume vom Goldgrund abheben. Die ganze
Darstellung ist durch die Beziehung, in die beide Gestalten
zueinander gesetzt sind und durch das Kolorit (i colori rosati
ridono sul fondo aureo Venturi) sehr interessant.
Die kleine Komposition Taddeo Gaddis auf den Schrank-
türen aus S. Croce (Akademie) lehnt sich allgemein an Giot-
tos Vorbild an, zeigt im Widerspruch mit dem Johannes-
evangelium auch die anderen frommen Frauen anwesend,
ähnlich wie auf den Fresken Giovanni da Milanos in S. Croce.

4. Kommunion der Heiligen.
Nur auf einer Predella in Or S. Michele aus der Schule
Orcagnas ist mir, äusser der Darstellung in den Cyclen, die-
ser Vorwurf begegnet. Magdalena kniet, in ihre Haare ge-
hüllt, vor dem Bischof, der sich zu ihr beugt.

5. Die Himmelfahrt.

.Dieser Szene begegnen wir auf der Predella des Rinuc-
cinialtars in der Sakristei von S. Croce. Wir sehen, wie sich
vier winzige Engel anschicken, die knieende, in ihr Haar
gekleidete Büsserin zum Himmel zu heben. Sauber und
sorgfältig ist eine ferne Stadt auf Goldgrund gemalt. Der
fein gezeichnete Wald, der Engel, der oben in einer blauen,
mit goldenen Sternen besäten Glorie schwebt, und zu dem
Magdalena aus ihrer Höhle emporschaut, sind in den Farben
sehr harmonisch. Und auf dieser kleinen Predella wird im
Typus der Sünderin nun auch zum ersten Mal die Askese
unterstrichen. Das abgemagerte Gesicht mit dem Ausdruck
kindlicher Gläubigkeit weiss uns hier zum ersten Mal zu
überzeugen, dass diese Frau in Fasten und Einsamkeit ihr
Leben verbringt. Das kleine, an unscheinbarer Stelle befind-
liche Bild, auf dem auch der seelische Gehalt zum Ausdruck
gebracht ist, verdient volle Beachtung. Suida bemerkt, dass
die Ausführung an die Arbeiten des Andrea da Firenze in
der spanischen Kapelle erinnert.
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