Schuba, Ludwig
Die Quadriviums-Handschriften der Codices Palatini Latini in der Vatikanischen Bibliothek — Wiesbaden, 1992

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Vorwort

„Quadrivium" bezeichnet seit dem Mittelalter die vier mathematischen Wissen-
schaften Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik, die zusammen mit dem
„Trivium", den drei auf die Sprache und das Denken bezogenen Disziplinen
Grammatik, Logik und Rhetorik, das aus der Antike übernommene Bildungs-
programm der sieben freien Künste darstellen. Im vorliegenden Katalog werden
120 Handschriften aus dem Fond der Codices Palatini Latini beschrieben, die
im 17.Jahrhundert - nach ihrer Uberführung aus Heidelberg - in der Vatikani-
schen Bibliothek entsprechend ihrem Inhalt geordnet worden sind1.
Den Literaturwerken der mathematischen Disziplinen wurden außer astrologi-
schen und komputistischen auch geographische und mantische Texte hinzuge-
fügt. Das von Skriptoren der Vatikanischen Bibliothek im Jahr 1678 mit einem
Indexband abgeschlossene „Inventarium manuscriptorum latinorum Bibliothe-
cae Palatinae" enthält die Quadriviumshandschriften unter den Signaturen
Cod.Pal.Lat. (cpl) 1340-1432A. 1432B- 1458, mit knappen Angaben über Al-
ter, Beschreibstoff, Format und Blattzahl sowie Inhaltshinweisen, die besonders
bei Sammelhandschriften meist unvollständig und bisweilen fehlerhaft sind. Das
Inventar sollte deshalb auf Anordnung des Papstes Leo XIII. (1878-1903) durch
einen modernen Katalog ersetzt werden, dessen erster Band im Jahr 1886 in
Rom erschien: „Codices Palatini Latini Bibliothecae Vaticanae descripti ... To-
mus I", bearbeitet von Henry Stevenson jr. und I.B.Rossi, mit den Inhaltsbe-
schreibungen der cpl 1-921. Das alte Inventar blieb jedoch bis heute in Ge-
brauch, da Stevenson seine Arbeiten an den lateinischen Palatina-Handschriften
nicht zum Abschluß brachte.

In den Jahren 1959-1961 hat die Universitätsbibliothek Heidelberg dank finan-
zieller Hilfe durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft Filme aller aus Hei-
delberg stammenden lateinischen, griechischen und hebräischen Handschriften
in der Vatikanischen Bibliothek aufnehmen und danach in Deutschland Fotoko-
piebände herstellen lassen. Als „Codices simulati" stehen diese seither Professo-
ren und Studenten in der Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek
Heidelberg für Studienzwecke zur Verfügung. Zugleich begannen nach dem
Jahr 1961 Mitarbeiter der Universitätsbibliothek Heidelberg (Dr. Heinz Martin
Werhahn, Dr. Klaus Niebier) Zettelregister zu den im Katalog von H. Stevenson
Jr. erfaßten Handschriften anzulegen. Diese Arbeiten wurden bis zum cpl 1140
weitergeführt. Dann ging man dazu über, die medizinischen Handschriften in

1 Vgl. L. Schuba, die medizinischen Handschriften der Codices Palatini Latini in der Va-
tikanischen Bibliothek, Wiesbaden 1981, S.IX-XXV.

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