Schuchhardt, Carl
Schliemann's Ausgrabungen in Troja, Tiryus, Mykenae, Orchomenos, Ithaka und im Lichte der heutigen Wissenschaft — Leipzig, 1891

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Zweites Kapitel.

Troja.

1. Geschichte und Topographic.

Als Schliemann in Troja zu graben begann, hatte sich weit
nber die gelehrten Kreise hinaus auch in deu breiten Schichten
der Gebildeten die scharfe Kritik Gehör verschafft, der F. A. Wolf^,
Lachmann^ u. A. die erste Quelle unserer Kenntniß von der grie-
chischen Vorzeit, die homerischen Gedichte, unterzogen hatten.

Es war dargelegt worden, daß diese Gedichte aus sehr un-
gleichen und zu verschiedenen Zeiten entstandenen Theilen zu-
sammengesetzt seien, daß sie ebenso wie unser Nibelungenlied
sich zerlegen lassen in dis Besingungen der Thaten einzelner Hel-
den, nnd daß die vornehmsten dieser Helden, Achill so gut wie
Siegfried, in ihrem innersten Kern zurückgehen auf ein göttlich
verehrtes Wesen.

England zwar hatte sich gegenüber der Wolf'schen Lehre
seine besondere homerische Hochkirche gewahrt, die dem Fort- .
schritt der Neuzeit wol einige äußerliche Zugeständnisse machte,
besonders von dem alleinigen Oberhirten im Reiche des epischen
Sanges sich lossagte, aber im ganzen doch dem alten katholischen
Glauben noch ziemlich nahe blieb. Grote, in seinem großen
Geschichtswerke, hielt, wenn auch nicht die Jlias, so doch die
Odyssee für ursprünglich einheitlich und nahm anch Troja genau

* „krolsAOiNML sä Lomsimni" (1797).

^ „Betrachtungm LLer Homer'S Jlias" (1837).
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