Schuchhardt, Carl
Schliemann's Ausgrabungen in Troja, Tiryus, Mykenae, Orchomenos, Ithaka und im Lichte der heutigen Wissenschaft — Leipzig, 1891

Page: 117
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Drittes Kapitel.

Tiryns.

1. Lage und Geschichte. Berhältniß zu Mykenä.

Mykenä und Tiryns liegen beide am Rande der großen
argolischen Ebene, welche ihrer ganzen Landschaft den Namen
gegeben hat; denn „Argos" heißt nach Strabo im Pelasgischen
„Ebene". Eine große und reiche Niederung muß an sich schon
in dem felsigen, wasserarmen Griechenland als ein besonders be-
gnadeter Landstrich erscheinen, und wenn die argolische zudem
in einen tiefen geschützten Meerbusen mündet, der gegen Osten
gewendet den Weg unmittelbar auf das weite Jnselmeer und zu
den Schätzen der anatolischen Küste öffnet, so kann es wol nicht
Wunder nehmen, daß an diesem Punkte die älteste Cultur auf
griechischem Boden zu ihrer höchsten Blüte gediehen ist.

Der Hauptbach der Ebene ist der Jnachos, in den sich von
Norden her der Kephisos, heute Dervenaki genannt, ergießt.
Jn der Nähe des Zusammenflusses beider, auf dem Ende einer
von Osten her weit in die Niederung vorgeschobenen Hügelkette,
liegt Argos, „der natürliche Mittelpunkt für densenigen, welcher
die Jnachos-Ebene beherrschen will. Um diesen Punkt mußte sich
zu allen Zeiten das Einheimische sammeln." So sagt der Haupt-
mann der Artillerie Steffen, welcher 1881 im Auftrage des Archäo-
logischen Jnstituts zwei vorzügliche Karten, eine der Burg und
eine der Umgegend von Mykenä, aufgenommen hat. ^ Tiryns und
Mykenä liegen gegenüber von Argos am Ostrande der Ebene,

^ Steffen, Karten von Mykenai (Berlin 1884).
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