Schuchhardt, Carl
Schliemann's Ausgrabungen in Troja, Tiryus, Mykenae, Orchomenos, Ithaka und im Lichte der heutigen Wissenschaft — Leipzig, 1891

Seite: 352
DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/schuchhardt1891/0385
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
Sechstes Kapitel.

Kleinere Ausgrabungen öehliemanu's.

1. Orchomenos.

Schliemann hat in Orchomenos zu wiederholten malen,
im November 1880, im Frühling 1881 und unter Dörpfeld's
Mitwirkung im Frühling 1886 gegraben. Ueber die ersten bei-
den Untersuchungen ist das kleine Buch „Orchomenos" (Leip-
zig 1881), über die letzte, welche manche Punkte der erstern
berichtigte, ein Aufsatz in der „Zeitschrift für Ethnologie" (1886,
S. 377 fg.) erschienen. Mit freundlicher Erlaubniß der Redac-
tion dieser Zeitschrift haben wir aus derselben die nach-
folgenden Abbildungeu 317—320 entnehmen dürfen.

Die Funde von Orchomenos geben nicht blos Zeugniß
von der Ausbreitung der mykenischen Cultur nach Norden
uud ins Jnnere des Landes, sondern bringen auch wieder
wichtige Ergänzungen der anderwärts gewonnenen Resultate.
Die Betrachtuug führt uns diesmal nach Böotien. Hier liegt
in der Mitte des Landes als Endigung einer breiten und
fruchtbaren Ebene der große Kopaissee. Er hat keinen natür-
lichen Abfluß nach dem Meere und kann deshalb in Zeiteu, welche
die künstliche Nachhülfe versäumen, sehr gefährlich werden, indem
er weites Land der Versumpfung und Pestilenz aussetzt. Jm
Alterthum war er durch vortreffliche Kanäle mit dem Euripos,
der Meereuge zwifchen dem Festlande und Euböa, verbunden.
Aber da während der langen türkischen Herrschaft all solche Für-
sorge unterblieben ist, hat das junge griechische Königreich die
große Arbeit, welche durch Anlegung neuer Kanäle zu bewältigen
loading ...