Spranger, Peter P.
Historische Untersuchungen zu den Sklavenfiguren des Plautus und Terenz — Wiesbaden: Steiner [in Komm.], [1961]

Page: 568
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/spranger1960/0024
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
568

Peter P. Spranger

Komödie unschwer auf einige wenige Archetypen zurückführen. Auch
diese sind den griechischen Vorbildern entnommen. Es handelt sich dabei
um folgende Grundformen:
1. als Sonderfälle a) der biedere, schwerfällige Landsklave, der als
Gegenbild zu dem pflichtvergessenen, leichtlebigen Stadtsklaven ge-
zeichnet ist; b) der pflichteifrige, unnachsichtige Pädagoge, dessen
Anschauungen in schroffem Gegensatz stehen zu dem lockeren Trei-
ben der Jugend (vgl. unten S. 81 ff.);
2. der treue, dienstwillige Sklave (servus bonus; Men. 966); zuweilen
erscheint er als unselbständiger Charakter, der sich nach kurzem,
erfolglosem Widerstand in die Launen seines Herrn ergibt; oft aber
dient er ihm aus echter Anhänglichkeit, nimmt Anteil an seinen
Freuden und Leiden und betrachtet es als seine wichtigste Sklaven-
pflicht, sich ganz und gar für die Belange der Herrschaft einzusetzen;
3. der schlaue Sklave (servus callidus, servus fallax); seine Anhänglich-
keit an den jungen Herrn ist stark bestimmt durch das gemeinsame
Bündnis gegen einen Dritten, zumeist gegen den senex (vgl. Trin.
527 f.: etsi scelestus est, / at mi infidelis non est); wenn der Sklave
die Intrige ins Werk setzt, so geschieht dies nicht in selbstloser Weise;
hervorstechende Charaktereigenschaften sind seine Gewandtheit und
Verschlagenheit, sein Sinn für die Wirklichkeit und seine Welt-
erfahrung, sein Selbstbewußtsein und das freche, herausfordernde
Benehmen gegen den alten Herrn und dessen Verbündete1;
4. der Sklave als Statist (πρόσωπον προτατικόν) bzw. als Nebenfigur
der Handlung ohne ausgeprägte Charakterzüge. Auch er belebt die
Handlung durch seinen Witz und vertritt wie der servus callidus
das farcenhafte und derb-komische Element2.
1 Vgl. im einzelnen E. Schild, a. O. S. 76ff.; T. B. L. Webster, Studies in Later
Greek Comedy, Manchester 1953, S. 75f. — Als der wichtigste Vertreter des komi-
schen Elements ist der servus callidus der Nachkomme des in der αρχαία κωμωδία
häufig begegnenden Spaßmacher-Sklaven (βωμολόχος). Dieser tritt als ausgeprägter
Typus hauptsächlich unter dem Einfluß der euripideischen Tragödie immer mehr
zurück. Für die römische Komödie ist er nur noch von untergeordneter Bedeutung
(vgl. etwa die Sklaven im Stichus oder die Köche).
2 Über die bei Plautus herrschende Tendenz, den Statisten-Sklaven dramatische
Funktionen beizulegen, vgl. E. Schild, a.O. S. llf.; O. L. Wiener, The Character
Treatment of Inorganic Roles in Roman Comedy, Class. Philology 26 (1931), S. 264ff.
Zum Sonderfall des servus currens vgl. C. Weissmann, De servi currentis persona
apud comicos Romanos, Diss. Gießen 1911; G. E. Duckworth, a.O. S. 106f. u. ö.

( 16 )
loading ...