Spranger, Peter P.
Historische Untersuchungen zu den Sklavenfiguren des Plautus und Terenz — Wiesbaden: Steiner [in Komm.], [1961]

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Unser Versuch, die römische Komödie als geschichtliche Quelle für die
Erforschung der antiken Sklaverei auszuwerten, führt zu Ergebnissen,
die sich von denen der früheren Forschung in mancher Hinsicht unter-
scheiden. Trotz der verschiedenen Bewertung der griechischen und römi-
schen Elemente bei Plautus und Terenz1 waren sich alle Richtungen
darin einig, daß die Zeugnisse der Komödie einen ,,unmittelbaren Ab-
klatsch des Privatlebens“ darstellten; eben darin beruhe „ihr unersetz-
licher Wert für die Rechtsgeschichte2.“ Demgegenüber stand die Forde-
rung, das Lustspiel zunächst als dichterisches Kunstwerk zu würdigen
und nach den ihm eigenen Gesetzen zu beurteilen. Die komödienhafte
Übersteigerung der Bühnenfiguren und die enge thematische Gebunden-
heit der Handlung zeigten deutlich, wie stark sich unter den Händen des
Dichters die Welt des Alltags verwandelt: das Prisma des Theaters läßt
kein getreues Spiegelbild des Lebens vor unseren Augen entstehen, son-
dern nur ein gebrochenes buntschillerndes Abbild der geschichtlichen
Wirklichkeit. Dennoch ergaben sich aus einer Fülle von Einzelbeobach-
tungen hinreichende Beweise für die Abhängigkeit der Komödie vom
täglichen Leben. Hier wie dort nimmt der Sklave als unentbehrliches
Glied im sozialen Gefüge eine entscheidende Stellung ein. Hinter der
menschlichen Wirklichkeit der Bühnensklaven stehen als Prototypen des
geschichtlichen Alltags der vielgewandte Großstädter, der treubesorgte
Bediente, der ungehobelte Knecht vom Land, der Pädagoge, die Amme
politiehe e sociali, la scuola universale delle virtu civiche“. Vgl. neuerdings ders.:
Dulorestes de Pacuvius et les guerres serviles en Sicile, Hommages ä Leon Herrmann.
Coll. Latomus 44 (1960), S. 160ff. (die Beweisführung überzeugt nicht). Zum
Sklaven als Schauspieler vgl. Warnecke, Histrio, RE 8(1913), Sp. 2116ff.; K. Abel,
a. O. S. 9. 107. Wenig befriedigt die oberflächliche Untersuchung von H. G. Mareck,
Der Schauspieler im Lichte der Soziologie, 1. Teil: Der Schauspieler in seiner gesell-
schaftlichen und rechtlichen Stellung im Alten Rom, Wien 1956, S. 23f. Die von
J. Vogt im Jahrbuch der Akad. d. Wiss. u. d. Lit. Mainz (1959), S. 166 angekün-
digte Untersuchung über „Unfreie Menschen als Musiker und Schauspieler in der
römischen Welt“ liegt der Akademie jetzt im Manuskript vor.
1 Vgl. oben S. 10 Anm. 1. 2 So E. I. Bekker, a. O. S. 105.

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