Stintzing, Johann August Roderich von
Geschichte der populären Literatur des römisch-kanonischen Rechts in Deutschland am Ende des fünfzehnten und im Anfang des sechszehnten Jahrhunderts — Leipzig, 1867

Page: XLI
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/stintzing1867/0041
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
XI. I

I'>00 mehr alö dreißig Mal in Deutschlcmd gedruckt ist. Die Auflagen
niderer Lchriften können schon bis zum Iahre 1500 dugendweise nachgc-
vicscn werden; so z. B. deS Alockrw leKencki, deS Voendulnriu«, des
Urelo,juliiei!»riu8 cko. Vullrerre, dcS dcutschen und lateinischen Belial, deS
Defensvriums. Bei anderen bleibt die Verbreitung zwar hinter dtesen
jjahlen zurück; abcr auch bei ihnen folgen dicAusgaben in kurzen Zwischen-
täumen auf einander, und dieselben oder nahc berwandte Schriften erscheinen
ast gleichzeitig an mehreren Orten Dcutschlands; oder auch verschledenc
t'luteren bemächtigcn sich defselben Gegenstandes, und geben kurz nach ein-
ander ähnliche Werke hcraus. Si' ist das Eine oder Andere der Fall bei
dcm Prozcß dcS Zohann von Auerbach, cinigen klcincren Schriftcn des
Vartolns, dcn Satans-Prozessen, ciner ganzen Reihe von Schriften über
das Norariat, den Formelbüchcrn, dem Klagspicgel, endlich bei dem großcn
^ammeiwerke des Diljer jiliiriiiioiiiiii trriotntuiu und ähnlichen').

Die große Mchrzahl dieser Schriften gehört ihrem ersten Ur-
sprunge nach wedcr Deurschland, nvch der Zeit an, von welcher wir
reden. Dennoch aber müssen wir ihre Gesammtheit alS die Litcratur diescr
Zeil bezeichnen. Denn neben den damals in Deutschland verfaßten Schriften
gewannen dic mannigfaltigcn Erzeugnisse ähnlichcr Art, welche in frühercn
Zciten und frcmden Ländern entstanden warcn, jetzt auf deutschcm Boden
eine neuc Bedentung für das Lcben, und beherrschtcn den juristischen Bücher-
markt. Wo sich irgend cinc Schrift auftreibcn ließ, welchc dem Bedürfnisse
der Gegenwart Lienlich schicn, da bcmächkigtc sich thrcr schnell cin Sach-
kundiger, und die buchhänLlcrische Speculation verschafftc ihr einen Einfluß,
ben sie srüher in svlchem Maaße bei wcitem nicht bcsesscn. Denn das
Publikum war nicht wählcrisch; was ihm in die Hände geführt ward, ver-
schlang es mit Heißhunger und ohne prüfendes Urtheil, wenn es seinem
Bcdürfnisse zu entsprechen schicn. Und je kleiner die Schrift, je wohlfeilcr
bcr Drucker sie mit Hülfe dürftiger Ausstattung und sorgloser Correctur
'wf den Viarkt bringcn konntc, dcsto sicherer und ausgedehnter war bei den
hohcn Bücherpreisen ihre Berbreitung»

Es möge hier erwähnt werden, daß in den altestni Verlagskatalogen der Augsburger
Trncker Bäml cr und Sorg, mit welchen sie ihre „guten deutschen Büchei^'den Kauflustigen
c>»l'sehlcn, nichrere von den populärcn juristischen Werken (der Belial, der kroesssus juris,
die Lunima Iohannis von Bertold, der Formulari) neben anderen scbr bcliebten popu-
laren Lckristen erscheinen. Bgl. Allgeni. literarischerAnzeiger v. I7!)8S. l8l>0. Metzger,-
Augsburgs älteste Druckdenkinale S. 7.
loading ...