Winkelmann, Eduard [Editor]
Urkundenbuch der Universitaet Heidelberg (Band 1): Urkunden — Heidelberg, 1886

Page: 421
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studierender iugend ohne unterscheid sothaner dreier religionen durchgehents
all-gedeiliche beförderung gnad und protection angedeien und verschaffen laßen,
mithin bei uns nichts ermangelen laßen werden, wordurch die hochstlöbliche
intention und absieht dieser berühmter fundation erreichet, folglich die gottes-
forcht als der anfang und die stütze der weißheit in der iugend gepflantzet und 5
diese zur Unterstützung recht und gerechtigkeit, auch rettung deren unschuldigen,
zur erhaltung fried und ruhe in allen societäten und überhaupt zur tugend und
geschicklichkeit aufgemunteret, gelehret und angewiesen werden, besonders aber
alle und iede und furnehmlich unserer sämtlicher landen eingesessener söhne,
welche entweder zu hoff- militar- oder civilchargen dermahleins befördert zu 10
werden verlangen tragen, gelegenheit haben mögen, ohne Verwendung großer
kosten auf frembden Universitäten, sich in allen Wissenschaften sprachen und
ritterlichen exercitien zu qualinciren, zu welchem ende wir sorgfältig gnädigst
dahin bedacht sein werden, damit mehrbemelte unsere Universität iederzeit nicht
allein mit tauglichen und geschickten exercitien- und sprachmeistern, sondern 15
auch mit einer reithschuhl baldmöglichst versehen werden möge.

Secundo extendiren und vermehren wir das Privilegium fori, dessen sich
bei ermelter unserer Universität zu Heidelberg docentes sowohl als discentes und
deren zugewante vermög voriger Privilegien und herkommens zu erfrewen haben,
hiermit gnädigst und weiters dahin, daß, im fall einer oder anderer, er seie ex 20
numero docentium oder discentium, etwas wider iemanden, er seie wer er wolle,
der nicht unter die mrisdiction der Universität gehörig, zu klagen hat, er denselben
sofort bei unserer churpfältzischen regierung oder hoffgericht nach gestalt der
Sachen immediate, ohne ansehen der sonst dem beklagten zustehender erster
instanz beim Untergericht, iedoch mit vorbehält des recursus an unser chur- 25
pfältzisches oberappellationsgericht, belangen möge, allwo dem kläger ohne
Weitläufigkeit summarische iustiz iuxta substantialia processus verschaffet, des
ends das nöthige an ermelte regierung und hoffgericht erlaßen werden solle.

Tertio wan das gantze corpus universitatis oder ein und anderer unter
denen professoribus von iemanden belanget wird, so solle solches bei uns vorerst 30
angebracht und demnechst die sach ihrer aigenschaft nach entweder an unsere
nachgesetzte churpfältzische regierung oder an unser churpfältzisches hoffgericht
zur summarischer erkantnus verwiesen werden, wobei iedoch unserer Universität
das forum primae instantiae vermög ihrer Privilegien in applicablen fällen
unbekräneket bleibet. Worferne auch 35

Quarto unsere churpfältzische nachgesetzte landesregierung und übrige
cueasteria wider einige cives academicos etwas zu denuneiiren haben oder sonsten
der Universität assistenz benöthiget sein solten, so sollen sie gehalten sein,
Mehrbemelte unsere Universität schrift- oder mündlich deshalber in subsidium
W requiriren. 40

Quinto solle zur handhabung der universitätsiurisdiction auf ansuchen des

•ectorig oder senatus academici unser zeitlicher commandant zu Heidelberg

emselben in vorkommenden fällen so viel Soldaten, als zur apprehendirung oder

verfolg deren unter der universitäts-iurisdiction stehender delinquenten und

reveleren nöthig seind, ohnweigerlich hergeben oder, da keine garnison vorhanden, 45

er statt-rath daselbst die stattwächter und gemeine diener ohngesaumt und
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