Der wahre Jakob: illustrierte Zeitschrift für Satire, Humor und Unterhaltung — 14.1897

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„Wollen wer der Herr geben 'ne kleine Gabe; der selige
Herr Closet hat mer immer was gegeben."

—Aeues vom Büchermarkt. -*•—

Buchhandlung „Vorwärts" in Berlin.

Handbuch für Vereins- und Versammlungs-
Leiter. Zugleich ein Wegweiser beiNeichstagswahlen.
Mit ausführlichem Sachregister und einem Anhang,
enthaltend die für die Agitation hauptsächlich in Frage
kommenden Strafgesetzparagraphen. Preis 30 Pf.

Die Handhabung des Vereins- und Versamm-
lungsrechts im Königreich Sachsen. Auf Grund
des Thatsachenmaterials dargelegt von A. Bebel.
Preis 30 Pf. _

Verlag der GenrralKommission der Gewerk-
schaften Deutschlands in Hamburg.

Der Streik der Hafenarbeiter und Seeleute in
Hamburg-Altona. Darstellung der Ursachen und
des Verlaufs des Streiks sowie der Arbeits- und
Lohnverhältnisse der im Hafenverkehr beschäftigten
Arbeiter. Von C. Legten. Preis 30 Pf.

Verlag von Friedr. Meyer & Co. in Lübeck.

Die Sozialdemokratie in Mecklenburg. Ein Bei-
trag zu ihrem fünfundzwanzigjährigen Jubiläum.
Von A. Hüter. Preis 20 Pf.

Verlag von Arthur Bergmann in Breslau.
Die Rechte des Angeklagten. Ein unentbehrlicher
Nathgeber und Wegweiser im Strafprozeß. Von
Fritz Hartwig. Preis 75 Pf.

Verlag von Ioh. Kassenbuch in Berlin.
„Neuland." Monatsschrift. Erster Jahrgang, Bd. II,
Nr. 1. Preis pro Heft 50 Pf.

Im Erscheinen begriffen ist:

Geschichte

der

Deutschen ZoMthemokratie

von

Franz Mehring.

Erscheint in ivöchenttichen Lieferungen
L 20 Vf.

Subskriptionslisten werden auf Wunsch zugesandt.

Die geehrten Parteigenossen, die sich für
die langerwartete „Seschichte der Deutschen Sozial-
demokratie", die bestimmt ist, eine große Lücke
in der sozialistischen Literatur auszufüllen, durch
Sammeln von Subskribenten besonders interessiren
wollen, werden freundlichsr ersucht, Subskriptions-
listen vom Dietzschen Verlag in Stuttgart zu
verlangen.

Stammbaum

des

Modernen Sozialismus.

Preis pro Blatt 50 Pf., fertig montirt zum
Anhängen an die wand (oben und unten Metall-
leisten) 76 Pf. Porto und Emballage werden pro
Postpacket, das 35 Exempl. montirt oder 50 Exempl.
unmontirt enthält, mit 60 Pf. berechnet.

Ls empfiehlt sich in Rücksicht auf das Porto,
das bei f Lxemplar ebenso hoch ist, wie bei 35
bezw. 50 Exemplaren, daß die Reflektanten sich
zusammenthun und gemeinsam bestellen.

„Pennsylvania" 177 Meter.

Stephansdom in Wien 137 Nieter.

Kölner Dom 157 Meter. Michaelskirche in Hamburg 132 Meter.

Proletariers Umrug.

Zeichnung von Carl Kolb.

Ein jeder Vogel hat sein Nest,

Das wilde Thier in Höhlen wohnet.

Gefahrensicher, wetterfest.

Wo es des Lebens Noth verschonet.

Nur ihm allein, dem Proletar,

Im ew'gen Schaffen, Ringen, Hasten,

Ihm beut sich keine Stätte dar.

Vom Kampf des Daseins auszurasten.

Er hat kein Heim, er hat kein Haus,

Er, der die Häuser baut den Andern,

Aus ödem Kämmerlein hinaus

Treibt man ihn fort zum ew'gen Wandern.

Der Zeichner ist auch unfern Lesern nicht unbekannt. Er
hat z. B. die in der „Deutschen Revolution" enthaltenen Por-
träts gezeichnet und manches weitere Porträt für den „Wahren
Jacob"; außerdem die meisten Aquarelle zu Bommeli'sPflanzen-
und Thierwelt. Von Beruf Lithograph, verlegte sich Kolb in
späteren Jahren auf das Porträtzeichnen für illustrirte Blätter.
Mit zunehmendem Alter verminderte sich seine Kundschaft,
was aber der Photographie zuzuschreiben war, die geeignete
Vorlagen auf rein photographischem Wege auf Holz zu über-
tragen begann und so die Arbeit des Zeichners für den Xylo-
graphen überflüssig machte. Kränklichkeit und Nahrungssorgen
verbitterten dem alten Manne das Leben, so daß er schließlich
zum Revolver griff und seinem Dasein ein Ende machte. —
In seinem Nachlaß fand sich u. A. auch die Zeichnung „Prole-
tariers Umzug" vor, ein Bild, das die meisten Proletarier aus
eigener Anschauung kennen. — Die Art und Weise, wie Kolb
Szenen aus dem Leben behandelte, ist unmodern, steif und
altfränkisch; die Zeichnung glaubten wir aber dennoch bringen
zu sollen, da sie neben der Wahrheit auch ein Spiegelbild der
sozialen Ansichten des alten Herrn bietet, der selbst gerade
genug vom Proletarier-Elend kennen gelernt hat und demgemäß
empfand. Jedesmal, wenn der Wahltag nahte, humpelte unser
Kolb zur Urne und gab seiner Ueberzeugung gemäß den sozial-
demokratischen Wahlzettel ab.

Briefkasten.

(Unverlangte Manuskripte werden nicht zurückgesandt.)

£. 2YI. in Friedrichshafen. Ihre Anfrage, ob es wirk-
lich ein solches Schiff gebe, wie es die „Pennsylvania" nach
den Zeitungen sein soll, müssen wir bejahend beantworten.
Das Schiff mißt über Deck in seiner ganzen Länge 177 Meter,
in der größten Breite i8*/2 Meter und in der Tiefe bis zum
Promenadendeck 15 Meter, es hat also die Höhe eines fünf-
stöckigen Hauses. Die Länge jedoch übertrifft selbst noch die
Höhe des Kölner Domes um 20 Meter. (Siehe unsere Ab-
bildung.) Die Wasserverdrängung beträgt 21000 Tonnen, die
Ladefähigkeit 746 000 Kubikfuß netto; das sind also Verhält-
nisse, wie sie außer dem „Great Eastern" kein Schiff der Welt
aufweist. Das Schiff ist mit Doppelschraubensystem versehen
und wird getrieben von zwei Quadrupel-Expansionsmaschinen
von zusammen 6000 angezeigten Pferdekräften, die eine Fahr-
geschwindigkeit von 14 Knoten in der Stunde bewirken. Der
Passagierraum ist bemessen für 186 Passagiere erster, 122
zweiter und 1000 dritter Klasse, oder wie es auch sonst heißt:
Zwischendeck. Es sollen aber, wenn noch weitere vorhandene
Räume hergegeben werden, bis zu 4000 Zwischendecks-Passagiere

untergebracht werden können. Wenn das Schiff vollbeladen
werden soll, so sind dazu 1200 Eisenbahnwagen ä 200 Zentner-
Frachtgut nothwendig. Die Beleuchtung ist durchweg elektrisch
(725 Lampen k 16 Kerzen Lichtstärke). Die Bemannung be-
steht ans 150 Personen, wovon 50 die Maschinen bedienen,
30 auf Deck und 70 in der Küche und bei der Aufwartung
beschäftigt sind. Gebaut ist der moderne Leviathan bei Har-
land & Wolfs in Belfast in Irland.

I. T. in Th. Die Kirchensteuer wird in manchen Staaten
stufenförmig nach dem Einkommen erhoben. Dagegen läßt
sich nicht viel einwenden, — viel schlimmer sind die Sporteln,
die die Herren Geistlichen einziehen. Wer weder Kirchensteuer noch
Sporteln bezahlen will, muß aus der Landeskirche austreten.

A?., Berlin. Dialektdichtungen müssen wir in der Regel
ablehnen.

Th. L. in D. Paßt eigentlich besser für einen Gesang-
verein, soll aber gelegentlich abgedruckt werden.

F. R. in F. Sie haben recht, — statt des goldenen Bodens
wird dem Handwerk ein blecherner zusammen geredet.

G. F. in N. M. Das Bild paßt jetzt noch nicht, aber
der Moment wird wohl kommen und dann soll die Idee ver-
werthet werden.

A. Sch. in A. Ueber Verordnungen von Metzsch kann
sich kein vernünftiger Mensch ärgern.

H. <£. Hier einige Verse aus Ihrem Gedicht: W a ch t a u f!
Wacht auf! Im Frühlingsglanz der Sonne,

Ihr Hungersklaven überall;

Wacht aus! Die ihr tragt die Frohne,

Laßt hören Euren Donnerschall.

Schwinget muthig in die Höhe
Die rothe stolze Freiheitsfahn',

Daß die Vorwelt verwundert sehe
Wem die Nachwelt wird zugethan.

Nach der Reutzischen Volkszeitung konfiszirte die
Polizei die Bundschuhfahne, welche in einer von Arbeitern
veranstalteten Aufführung des Trauerspiels „Florian Geyer"
verwendet wurde. Der auf Karton gemalte Bundschuh war
längst wieder unter die Theaterrequisiten gestellt, als auf
höhere Anordnung die „Fahne" als gemeingefährlich in Polizei-
arrest verbracht wurde. Unser Bruderblatt schließt den tragi-
schen Vorgang mit folgender Strophe:

Malt keinen Bundschuh auf Pappö,

Die Polizei sagt: attrapä!

Und nimmt euch weg, o jeminö.

Die Vundschuhfahne aus Pappö.

Nicht verwendbar: H. £. in M., I. K. in B.. A. —ltze
in w., F. Fahrwasser, N. N. 333, A. w., Ay. Berlin,
K-tt. Berlin.

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Verantwortlich für die Redaktion Georg Baßler in Stuttgart. — Druck uud Verlag von I. H W. Dietz in Stuttgart.
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