Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 15
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ATTISCHE RELIEFS IN CASSEL

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Maasstab spricht dafür, dass das Relief als architektonisches
Glied diente. Er beträgt 0,43:0,295 m, also ca. 1 1/2; 1 Fuss.

Die Metope kann wegen ihrer geringen Grösse nur von
einem ganz kleinen Gebäude in Tempelform stammen. Mög-
lich ist entweder ein choregisches Denkmal in der Art des
von Dörpfeld reconstruierten des Nikias (AM. X 1885, 219 ff.
Taf. VII, XIV 1 889, 63 ff.) oder ein Heroon, wie es so vielfach
auf unteritalischen Vasen abgebildet isti. In beiden Fällen
könnte das Relief wie die anderen Casseler Stücke vom Süd-
abhang der Akropolis stammen. Hier lag das Tempelchen des
Nikias westlich vom Asklepieion und sind Fundamente von
einem noch kleineren Tempelchen aus dem V. Jahrhundert
erhalten. Dies Fundament ist 5,06 m lang und 4,25 breit
(Köhler, AM. II 1877, 238 Plan F; Judeich, Topogr. v. Athen
287). Man kann sich gut vorstellen, dass hier ein Denkmal
für eine siegreiche Tragödie errichtet war, in der, wie in
Euripides Hippolytos, Artemis Elaphebolos und Agrotera2
eine Rolle spielte.

Pausanias erwähnt zwischen dem Asklepieion und dem
Aufgang zur Akropolis das Grabmal des Hippolytos, das vor
dem Tempel der Themis lag 3. Eine Inschrift aus dem V. Jahr-
hundert nennt einen Tempel der ’AcpQoöur| sjtl rianobuicp (IG.
1212, fragin. 1 1). Die schriftliche Überlieferung wird illustriert
durch das attische Votivrelief der Sammlung Torlonia, des-
sen Scenerie der Südabhang der Akropolis ist (Ussing, Fest-

1 Beispiele von Grabbauten mit Metopen und Triglyphen nach Watzin-
ger, Studien zur unteritalischen Vasenmalerei 2 Anm. 8 : Dubois Maison-
neuve, Introduction ä l’etude des vases antiques d’argile peints PI. XXVIII
und PI. LXXXVI ; Lenormant et de Witte, Elite ceramographique I PI.
XXXV ; Catalogue of Vases in the British Museum IV F 352 PI. XI. In
der Nekropole am Schlachthaus von Athen haben sich als Wasserspeier
verwendete kleine thönerne Löwenköpfe gefunden, die darauf schliessen
lassen, dass ähnliche tempelfönnige Grabbauten in Athen existierten. Ein
Exemplar befindet sich im Bonner Akad. Kunstmuseum.

- Über Artemis als Jägerin vgl. Roscher I 581 f.; Pauly - Wissowa II
1344 f. ; Daremberg-Saglio, Dictionnaire des Antiquites III 142 ff.

3 Pausanias I 22, 1 : pexd. öe ro Ieqöv roh ’Aox^t]juoö xauxr] jiqöc; xqv
axyojro?av lohen ©eptöog vaog eoxi. xeypoxai 8e jtqo cmxoö pvfjpa OjtjxoWxu).
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