Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 181
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SITZUNGS-PROTOCOLLE

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Schatz bei den Schachtgräbern (Schuchhardt 321-3; Stais,
Guide S. 66), mit einem der schönsten Siegelabdriicke von
Knossos (BStL X 56) und dem grossen Archiv solcher Ab-
drücke aus Zakro (JHS. XXII 1 902, 77), die nach den Fund-
umständen in diese Epoche gehören. Die letzteren zeigen
eine Reihe von Fabelwesen, offenbar als persönliche Abzei-
chen unendlich reich und phantastisch variiert—das einzige
Neue, was diese Epoche bietet. Jedermann führte offenbar
sein Insiegel, wie schon in frühminoischer Zeit. Die mittel-
minoischen Prismen mit Hieroglyphen sind verschwunden.
Abgesehen von diesem durch die Entwickelung der Schrift,
nicht des Stils, gegebenen Unterschied, bilden beide Epochen
in der Gemmenkunst ein durchaus einheitliches Ganzes.

II. Epoche, gleichzeitig etwa Thutmosis III. (1501-
1447). Hierher gehören: aus Knossos die Siegelabdrücke mit
der Göttin auf dem Berge, zwischen zwei Löwen (BSA. VII
29; vgl. Arch. Anz. 1908, 121), auf dem Festlande die Funde
aus den ältesten Kuppelgräbern, vor allem die reiche Serie der
Gemmen und Ringe von Vaphio (Tsuntas, "Ecp. apy^. 1889
Taf. 10). Im Stil macht sich gegenüber der vorigen Epoche
eine Erschlaffung geltend, besonders in der Erfindung und
im Formenschatz. Figurenreiche Scenen werden seltener, ein-
fache Tierbilder überwiegen. Vom prächtigen "Palace Style"
der Vasen ist keine Spur auf den Gemmen zu sehen.

III. Epoche, gleichzeitig in ihrem älteren Teile Ame-
nopliis III. (1411-1375) und IV. (1375-1 358), in ihrem späteren
Verlaufe der XIX-XX. Dynastie (1350-1090).

Leider lassen sich innerhalb dieser langen Zeit noch
keine Unterabteilungen scheiden. Ausser den Ringen und
Gemmen aus den reicheren mykenischen Kammergräbern
(z. B. JHS. XXI 1901, 1 83; Stais S. 72 Nr. 3180; "Ecp. ägx-
1888 Taf. 10); gehören hierher die zahlreichen Funde aus der
Nekropole von Phaistos (Mon. ant. d. Lincei XIV 61 7 ff.) u.
a. Vereinzelt erscheint die orientalische Cylinderform (BSA.
VIII 302, aus Palaikastro). Die Arbeit wird immer nachlässi-
ger, schematischer, der überkommene Formenschatz verarmt,
ohne Zufluss neuer Typen. Man vergleiche nur etwa, um
ein paar Typen aus der grossen Masse herauszuheben, die
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