Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 384
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384 W. DÖRPFELD. I. DIE BAUWERKE

Anfängen der ansteigenden Giebelgeisa), mehrere Blöcke des
Giebeldreiecks mit einem Relief-Rundschilde in der Mitte,
ferner ein Eckakroter und mehrere Stirnziegel (vgl. Taf. XXI
über A). Einen grossen Teil der Fassade werden wir neben
dem Tempel wieder zusammenfügen können.

Eine Schwierigkeit bietet die römische Vorhalle inso-
fern, als ihre Breite etwas grösser ist als die Breite des älte-
ren Tempels. In dem Grundriss (Abb. 7) sind die Standplätze
der vier Säulen des römischen Pronaos nach den Maassen
der vorhandenen Architrave eingezeichnet. Daraus ersieht
man, dass die römische Vorhalle um je eine Stufe breiter
war als der ältere Pronaos. Wie mag dieser Unterschied
ausgeglichen worden sein? Man könnte daran denken, dass
der Tempel in römischer Zeit eine Verkleidung aus Mar-
mor erhalten hätte, wie wir sie für den Altar annehmen.
Und tatsächlich sind auch die Steine der oberen Tempel-
stufe mit Eisenklammern verbunden gewesen und waren
also wohl überdeckt. Aber gegen diese Annahme erheben
sich mehrere Bedenken, auf die ich vorläufig nicht eingehen
will, weil ich hoffe, dass bei der Fortsetzung der Grabungen
genügend Steine zur Lösung der vorhandenen Schwierigkei-
ten zu Tage kommen.

Einen guten Überblick über die noch erhaltenen Reste
des Tempels gibt das photographische Bild auf Tafel XXI.
Im Vordergründe sieht man die Ostmauer A des römischen
Pronaos; ihr Stein G, ein früherer abgerundeter Pfeiler, liegt
nicht mehr an seiner richtigen Stelle. Innerhalb des Pronaos
ist bei B das Gebälk der älteren Vorhalle aufgebaut (vgl.
Tafel XX 4). Dahinter erkennt man bei C die Stufen der
von Philetairos erbauten Vorhalle; der Schaft der Ante und
die Basis der Säule sind von uns hingestellt. Von der Cella
ist bei D die Schwelle der Tür, bei E ein Stück der Rück-
wand und rechts von beiden die Nord wand mit ihren Stufen
sichtbar. Links vom Tempel liegen Reste der Südstoa, über
denen ein Teil der heutigen Stadt Pergamon sichtbar wird.
An der rechten Kante des Bildes sieht man eine späte Mauer,
den Rest eines Hauses, das in byzantinischer Zeit über dem
Tempel erbaut worden ist.
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