Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 385
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DIE ARBEITEN ZU PERGAMON 1 908 - 1 909

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4. DIE RÖMISCHEN BAUWERKE DER UNTERSTADT.

P. Schazmann, der die römischen Bauten von Pergamon
bearbeitet, berichtet darüber Folgendes:

«Die römischen Bauwerke der Unterstadt wurden in den
Jahren 1908 und 1909 weiter untersucht, und es konnten
noch viele der einzelnen Überreste, die in Fülle in den Häu-
sern des modernen Pergamon zerstreut liegen, in Zusam-
menhang gebracht werden. Diese Arbeit und besonders die
Bestimmung der Ruinen wird dadurch erschwert, dass der
grösste Teil des Raumes der römischen Stadt heute völlig
mit Häusern überdeckt ist, und dass man es ausserdem in
den meisten Fällen nur mit Unterbauten zu tun hat. Eine
allgemeine Betrachtung der Ruinen ergibt, dass mit Aus-
nahme der Gruppe antiker Anlagen, welche sich an die im
Westen der heutigen Stadt befindlichen Höhen anlehnt, näm-
lich des Stadion, Theaters und Amphitheaters, die ganze
übrige Stadt wahrscheinlich rechtwinklig angelegt war, wie
Hierapolis und andere Städte des Mäandertals. Bei dem auch
in der Unterstadt uneben gestalteten Terrain sind die ebe-
nen Flächen für die grossen Bauten durch gewaltige Gewöl-
beconstructionen hergestellt worden, im Gegensatz zu dem
auf der Burg angewandten System von Stützmauern und
Strebepfeilern, welche die Terrassen der griechischen Bauten
nach aussen stützen. Diese grossartigen, für das römische
Pergamon so charakteristischen Gewölbeconstructionen sind
technisch sehr sorgfältig ausgeführt; an den Mauer-Ecken
sehen wir meist einen Schichtwechsel von grossen Hoch- und
Flachquadern; die Mauern selbst hingegen zeigen einen aus
kleinen Trachytwiirfeln hergestellten Steinverband.

Die wichtigste dieser Ruinen ist glücklicherweise auch
am besten erhalten: die Kisil-Avli oder rote Halle, wie sie
jetzt genannt wird. Seiner vorzüglichen Backstein- und Qua-
der-Technik wegen ist der Bau sehr lehrreich, ihr verdankt
er auch seine gute Erhaltung. Die derben hadrianischen Ge-
simse der Marmorverkleidung sind stellenweise bis an die
Decke noch am Platze. Die Aufnahmen der noch aufrecht
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