Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (2): Mythologische Cyklen — Berlin, 1890

Seite: 166
Zitierlink: 
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/asr2/0184
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
i66

TROISCHER KREIS

170. 171 und abgekürzt 157 b, während in der linken Eck-
scene von 155 dieselbe Darstellung mit einer geringen
Modification für den Gang nach dem Meere V. 122z bis
1233 verwandt ist; Iphigenia von Thoas die Erlaub-
niss zum Gang nach dem Meere erwirkend V. 1152
bis 1233 in der rechten Eckscene von 177. 178; endlich der
Kampf am Meere und die Flucht aufs Schiff V. 1327
bis 1419 und zwar in doppelter Gestalt, indem in dem
einen Fall, 167. 170 und auf dem Deckel von 155, Orestes,
in dem anderen, 172. 174. 175. 176, Iphigenia die Schiffs-
treppe hinaneilt. Im Zusammenhang hiermit stockt im
zweiten Fall der Kampf am Ufer, während er im ersten
noch fortdauert. Der erste Typus dieser Scene ist auf
167 in zwei Unterabtheilungen zerlegt, und von diesen
auf 168 nur die eine, die Kampfscene, verwandt. Einmal,
auf 174, scheint auch der zweite Typus in zwei kleinere
Scenen zerlegt gewesen zu sein. Hauptsächlich nach
der Auswahl der Mittelscene lassen sich bei dieser Sarko-
phagclasse drei Gruppen unterscheiden. Bei der ersten
167. 168. 16g. 171, nimmt der Wahnsinnsanfall des Orestes
die Mitte ein, links schliesst sich die Abholung des Bildes
durch Iphigenia, rechts der Kampf am Meere und die
Flucht aufs Schiff an. Auf den Schmalseiten, die nur bei
einem einzigen Sarkophag dieser Gruppe 167 erhalten sind,
ist die Erkennung der Geschwister dargestellt. Die beiden
Deckel 155 und 170 sind dieser Gruppe nahe verwandt,
nur ist bei 155 statt der Wahnsinnsscene die Erkennungs-
scene eingesetzt, wodurch eine von links nach rechts

laufende Scenenfolge erzielt wird, und bei 170 hat die
Mittelscene dem Porträt weichen müssen. Bei der zweiten
Gruppe 172—176 nimmt die Vorführung der Gefangenen,
bei der dritten 177—180 der Abschied der beiden Freunde
die Mitte ein; links schliesst sich bei beiden Gruppen
die Wiedererkennung der Geschwister, rechts bei der
zweiten die Flucht aufs Schiff, bei der dritten die
Ueberredung des Thoas an. Einer Anzahl von diesen
Darstellungen scheinen wieder berühmte Gemälde zu
Grunde zu liegen; so geht die Mittelscene der ersten
Gruppe, der Wahnsinn des Orestes, vielleicht auch
auf ein Bild des Theon von Samos, die Mittelscene der
zweiten, die Vorführung der Gefangenen, wahrschein-
lich auf ein Bild des Timomachos von Byzanz zurück.
Eine Umbildung dieses letzteren Bildes ist die Vorlage für
die rechte Eckscene der dritten Gruppe, Iphigenia vor
Thoas. Auch die Mittelscene der dritten Gruppe, der
Abschied der beiden Freunde, darf ihrer hohen Schön-
heit wegen auf ein berühmtes Original zurückgeführt wer-
den, zumal die beiden Hauptfiguren auch auf anderen
Monumenten wiederkehren. Dagegen können die übrigen
Scenen, die durchweg von geringerer künstlerischer Er-
findung sind, ganz wohl in dem Kreise der Sarkophag-
arbeiter oder anderer Illustratoren entstanden sein. Mit
Ausnahme von 171, das vielleicht von einem griechisch-
römischen Sarkophag herstammt, sind alle bis jetzt bekann-
ten Exemplare dieser Classe römisch und wohl sämmtlich
im zweiten Jahrhundert gearbeitet.

I TÖDTUNG DER CLYTAEMESTRA UND DES AEGISTHUS.

a) erste classe.

Tafel LIV

154) P. St. Petersburg, Kaiserliche Ermitage (336).
Fig. 154. Unbedeutend restaurirt. L. 2,28. H. 0,55. Relief-
erhebung 0,05. Zeichnung von C. L. Becker nach einer
im Jahre 1884 mit freundlicher Unterstützung von G. Kie-
seritzkv aufgenommenen Photographie.

Früher in Rom, in Palazzo Circi (später Lezzani) an der
Pedacchia, wo es zu Visconti's und Zoega's Zeit im ersten

Stock capo le scale......nel vestibolo del primo apparta-

mento" (Visconti), später im Hof eingemauert war. Die abge-
brochenen Arme waren schon damals ergänzt. Nach St. Peters-
burg kam es im Jahre 1870, nachdem es vorher durch den
Bildhauer F. Schulz nochmals restaurirt worden war.

Abbildungen: E. Q. Visconti // Museo Pio-Clementino V
1796 tav. dagg. A nr. 5 (ohne die Eckfiguren). Danach Miixin

Galerie mythologique 1811 pl. 165 nr. 618; Guigniaut Les rell-
gions de Cantiquit'e 1825 pl. 235 nr. 831; Overbeck Bildwerke
zum thebischen und troischen Heldenkreis 1857 Taf. 28 Nr. 0.
— Monumenti delt Instituto VIII tav. 15 nr. 2.

Litteratur: E. Visconti a. a. O. p. 43 n. f. p. 83;
Zoega App. Fol. 503 zwischen 1799 und 1806 (= Welcker's
Zeitschrift für Geschichte und Auslegung der alten Kunst 1818
S. 444); Böttiger Die Furienmaske 1801 S. 76 A.* (= Kleine
Schriften I 1837 S. 236 A.**); Millin a. a. O.; Welcker
a. a. O. S. 435 A.; Guigniaut a. a. O.; Raoul Rochette Monu-
tnens in'edits 1827—1833 p. 146; K. O. Müller Handbuch der
Archäologie der Kunst 1830 S. 577 (3. Aufl. von Welcker 1848
S. 718) § 416, 2; Feuerbach Der Vatikanische Apollo 1833
S. 362; Rathgeber Orestes (in der Hallischen Allgemeinen Ency-
loading ...