Robert, Carl [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,2): Einzelmythen: Hippolytos - Meleagros — Berlin, 1904

Seite: 214
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HIPPOLYTUS

,,Es fehlt die r. Neben-, sowie drei Viertel der Vorder-
seite, ferner der Deckel. Rückseite roh behauen.

Vorderseite. In der 1. Ecke steht ein Baum. Daneben
auf einer Felserhebung die Figur der Artemis (e. f., Kopf
n. r.), in kurzem, doppeltgegürtetem Chiton, mit um die
Hüften geschlungener Chlamys, deren Zipfel rückwärts
flattert. Ihr Haar ist auf dem Scheitel in einem Schopf
zusammengebunden. Die linke Hand hielt, zu Folge der
Ansetzreste im Reliefgrund, einen Bogen. Ihr ganzer r.,
der 1. Vorderarm und die Beine fehlen. Zu ihrer Linken
steht ein Hund, dessen Kopf und Vorderbeine abgestossen
sind. Neben demselben, aber nicht mehr auf dem Felsen,
lehnt eine zu Boden gekehrte brennende Fackel. Nach

o

rechts schliesst sich die Figur eines Jünglings (e. f., Kopf
n. r.) an, der eine auf der r. Schulter gespangte Chlamys
trägt. Die (abgestossene) Rechte war in Brusthöhe er-
hoben. Vor ihm steht ein Altar, in dessen Flammen eine
zweite männliche Figur (e. f.; r. Standbein), die gleich der
ersten bekleidet ist, eine Schale ausgiesst. Sie trägt in der
1. Hand eine Lanze, Kopf und grösster Theil der Lanze
fehlen. Von den folgenden Figuren sind nur die Beine
erhalten. Zunächst schliesst sich ein Pferd (n. r.) an, neben
welchem ein Mann mit Lanze steht. Eine andere Figur
mit beschuhten Füssen, die mit einer Lanze bewaffnet ist,
schreitet n. r. aus. Es folgt eine dreiseitige Basis, welche
die Mitte des Reliefs einnimmt. Daneben ein n. r. springen-
der, den Kopf zurückwendender Hund mit Halsband. Das
übrige unbestimmbar (mehrere Füsse, Thierhufe).

Die 1. Nebenseite zeigt in Flachrelief eine n. r. stark
ausschreitende Figur (männlich?), in kurzem, doppelt (?) ge-
gürtetem Rock, der die r. Schulter frei lässt. Die Füsse
sind beschuhet. Der Kopf scheint zurückgewendet. Die L.
schultert einen langen Stab, wohl eine Lanze, die R. hält
die Beine eines voran springenden Hundes. Links ein
Baum. Die Arbeit ist gering-." Schreiber a. a. O.

Nach dieser Beschreibung, deren Correctheit durch
meine Notizen bis auf ein einziges Detail durchaus be-
stätigt wird, ist in der That die bereits von Schreiber
frageweise vorgeschlagene Deutung auf Hippolytus sehr
wahrscheinlich. Der Sarkophag wäre dann der einzige er-
haltene Repräsentant einer Gruppe, auf der die Antrags-
scene gänzlich eliminirt und durch die sonst auf der linken
Schmalseite (s. 167a. 171a) angebrachte Libations-Scene
ersetzt sein würde, wozu der Medaillon-Sarkophag 177
eine Analogie bildet. Natürlich ist der libirende Jüngling
Hippolytus und der zwischen ihm und dem Diana-
bild stehende sein Begleiter; vgl. 167a. Dann folgte das
Pferd mit dem ihm zugewandten Hundewärter wie auf
167 —171. Die lanzentragende nach rechts schreitende
Figur mit den beschuhten Füssen wird wohl Virtus
gewesen sein. Die angebliche dreiseitige Basis war
nach meinen Notizen vielmehr die Basis des die Scene
trennenden Thorpfeilers. Dass rechts die Jagdscene
folgte, scheint durch die erhaltenen Thierhufe gesichert
zu sein.

Zu dem Jäger auf der linken Schmalseite vgl. 171b.

Tafel LVL

173) S. Neapel, Museo Nazionale. Fig. 173.
Fig. 173a. Fig. 173b. L. 2,23. H. 0,53. T. 0,55. Rh. 0,03
(an den Schmalseiten 0,01). Zeichnung der Vorderseite
von Eichler 1875, der Schmalseiten von H. Schenck nach
Photographie.

Die Provenienz zu vermitteln ist mir nicht gelungen.

Die Zerstörung dieser späten und rohen Replik von
164—171 ist so gross, dass sich nur die allgemeinen Um-
risse der Figuren, sehr selten auch Einzelheiten erkennen
lassen.

Auf der Vorderseite Fig. 173 in der ersten Scene
Phaedra mit dem an ihre Kniee gelehnten Amor. Hinter
ihr an die Rücklehne des Sessels gelehnt die eine Dienerin;
die zweite scheint zu fehlen. Im Hintergrund Spuren des
Parapetasma. Die Amme hält in der erhobenen Linken
einen undeutlichen Gegenstand, vermuthlich den Brief.
Hippolytus, der mit einer Chlamys bekleidet ist und in

der Linken den Speer trägt, wendet sich zum Gehen, indem
er den rechten Arm seitwärts ausstreckt; vgl. etwa 151. 160.
164. Sein mit dem Pantherfell bedecktes Ross wird von
einem Gefährten in Exomis und Jagdstiefeln geführt, der
eine Lanze in der Linken hält; vgl 164. 165. Ein neben
ihm herschreitender Hund hebt den Kopf zu ihm empor. Im
Hintergrund ein zweiter Gefährte gleichfalls in Exomis, der
die rechte Hand ausstreckend hastig vorwärts läuft. Rechts
neben Hippolytus sitzt am Boden ein Vogel, der an einer
Pflanze rupft. Der Pfeiler des Thorbogens ist reich de-
corirt. An der Basis ein nach rechts gewandter Eberkopf;
darüber vier Felder: in dem untersten zwei gekreuzte
Schilde, im zweiten ein nach rechts schreitender Satyr (?)
mit über den Kopf gelegtem linkem Arm; er spielt mit
einem Hund oder Panther, der auf den Hinterfüssen stehend
seine rechte Hand zu lecken scheint. Im dritten Feld ein
nach rechts ruhig dastehender nackter Mann, der die Linke
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