Robert, Carl [Editor]; Matz, Friedrich [Editor]; Andreae, Bernard [Editor]; Robert, Carl [Editor]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,2): Einzelmythen: Hippolytos - Meleagros — Berlin, 1904

Page: 361
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ANHANG ZU S.175F.

DER SCHIFFSKAMPF DER ILIAS.

GRIECHISCHE SARKOPHAGE.

Der auf Tafel XLIV. XLV abgebildete griechische
Sarkophag 147, der wegen der Darstellung auf seiner
Rückseite unter die Abtheilung Hippolytos gestellt wor-
den ist, enthielt auf seiner Vorderseite eine Illustration zu
einer Scene aus der Epinausimache der Ilias und gehört
daher samt seinen Repliken, wie bereits oben S. 176 aus-
gesprochen ist, eigentlich in den II. Band dieses Werks,
zwischen die Abtheilung: Achilleus vor Troia und die Ab-
theilung: Iliupersis. Er fehlt dort, weil bei der Veröffent-
lichung jenes Bandes die richtige Erklärung dieser Sarko-
phaggruppe noch nicht gefunden oder wenigstens dem
Herausgeber nicht bekannt war; denn in Wahrheit ist
sie, wenigstens mit Bezug auf das in Venedig befindliche
Bruchstück einer Replik, bereits von Emil Wolff im
Büllettino delF Institute 1835 p. 160 ausgesprochen worden.
Die ganze Sarkophaggruppe würde daher mit anderen, neu
hinzugekommenen Stücken aus dem troischen Sagenkreis
auf unabsehbare Zeit für einen in Aussicht genommenen
Supplementband des Corpus zurückzustellen gewesen sein,
wenn nicht die Hippolytos-Darstellung auf der Rückseite
des spartanischen Exemplars dessen Einordnung in diesen
dritten Band gebieterisch verlangt hätte. Da aber die
Ergänzung und Deutung der Vorderseite und der Schmal-
seiten sich nur unter Heranziehung der übrigen Exemplare
derselben Gruppe begründen lässt und da diese Erörterung
zu vielen Raum beansprucht, als dass sie als Excurs in die
Besprechung der Hippolytos-Sarkophage hätte eingeschaltet
werden können, so wird die Gruppe in diesem Anhang, der
mithin zugleich einen ersten Nachtrag zu Band II bildet,
besonders behandelt. Die zu dieser Gruppe gehörigen
Stücke sind auf der Supplementtafel AB zusammengestellt,
wobei der bequemeren Vergleichung halber auch die in Be-
tracht kommenden drei Seiten von 147 nochmals abgebildet
sind. Keins dieser acht Exemplare, die sämtlich in die
Hadrianische Zeit zu gehören scheinen, ist vollständig er-
halten; von fünfen unter ihnen ist überhaupt nur ein kleines
Fragment übrig; aber die erhaltenen Bruchstücke ergänzen
sich so glücklich, dass sich die Darstellungen der Vorder-

und der linken Schmalseite fast vollständig mit hinlänglicher
Sicherheit reconstruiren lassen. Hierbei kommt uns der
Umstand zu statten, dass das ursprüngliche Compositions-
schema, wie es bei griechischen Sarkophagen die Regel ist,
im Wesentlichen auf allen Exemplaren streng festgehalten
wurde, wenn es auch natürlich an kleinen Abweichungen
im Einzelnen nicht fehlt. Besprochen ist diese Sarkophag-
gruppe von Peter von Bienkowski in den Jahresheften
des Oesterreichischen Archaeologischen Institutes in Wien
I 1898 S. 17 ff., durch den die früher beliebte Deutung
auf die Schlacht von Marathon endgültig widerlegt ist, und
von C.Robert im Hermes XXXVI 1901 S. 393 ff.T).

Als Vorbild für die Composition wird man mit Wahr-
scheinlichkeit ein Gemälde annehmen dürfen. An das des
Samiers Kalliphon im Artemision zu Ephesos (Pausanias
V 19, 1) wird kaum gedacht werden dürfen, da dieses,
wenn die Indicien nicht trügen, noch dem sechsten oder
dem Anfang des fünften Jahrhunderts angehört hat. Mit
der aller Wahrscheinlichkeit nach auf den Bildercyclus
eines andern samischen Malers, des Theoros, zurück-
gehenden Darstellung der Tabula iliaca zeigen die Sarko-
phage keine Berührungspunkte. Andere berühmte Ge-
mälde desselben Gegenstands sind nicht bekannt; doch be-
zeugt das Epigramm des Lucilius [Anthol. Palat. XI 211)

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dass das Sujet in der Kaiserzeit bei den Wandmalern
sehr beliebt war. Das Fragment in Brescia (abgeb. z. B.
Archaeologische Zeitung XXIV 1866 Taf. 215) gehört zwar
nicht, wie man früher annahm, mit dem Venezianischen
Fragment zusammen, stammt aber von einem Sarkophage
derselben Classe und derselben Zeit, und wird, da es that-
sächlich die Schlacht von Marathon darzustellen scheint, im
I. Band dieses Werkes veröffentlicht werden.

*j Die in dieser Besprechung enthaltenen Irrthümer werden unten
stillschweigend berichtigt.


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