Robert, Carl [Editor]; Matz, Friedrich [Editor]; Andreae, Bernard [Editor]; Robert, Carl [Editor]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,2): Einzelmythen: Hippolytos - Meleagros — Berlin, 1904

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TAFEL LX—LXIIA 191-193

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Abbildungen: kubinyi und vahot Ungarn und Siebenbürgen
in Bildern I S. 86. — Archaeologisch-epigraphische Mittheilungen aus
Oesterreich-Ungarn XIII 1890 S. 58 Fig. 11.

Litteratur: KUBINYI und Vahot a.a.O.; J. Ziehen Archaeo-
logisch-epigraphische Mittheilungen a. a. O. S. 5 7 f.

Die Platte Fig. 1921, die höchst wahrscheinlich einst-
mals die Vorderseite eines Sarkophags bildete, ist auf allen

vier Seiten mit Rand versehen. Von links schwebt Mars
durch die Luft auf die schlafende Rhea Silvia zu. In
der vorgestreckten Linken hält er den Schild, in der ge-
senkten Rechten die Lanze. Auf dem Haupt trägt er den
Helm; seine Chlamys flattert im Wind weit zurück. Rhea
Silvia ist in derselben Stellung wie auf 192 dargestellt.
Ueber ihr ein Feigenbaum.

Tafel LXII. LXII A.

2) MARS UND VENUS.

193) S. Amalfi, Kathedrale. Fig. 193. Fig. 193a.
Fig. 193b. L. 2,24. H. 0,70. T. 0,70. Fig. 193. Fig. 193a.

Zeichnung von Eichler 1874. Fig. 193b nach Gerhard
Antike Bildwerke Taf. 118, da die jetzige Aufstellung des
Sarkophags eine neue Aufnahme dieser Schmalseite aus-
schliesst.

Am oberen mehrfach ausgebrochenen Rande eine stark verstüm-
melte und verwaschene mittelalterliche Inschrift, die nach Cappelletti
Chiese (Tltalia XX p. 304 vollständig folgendermassen gelautet hat:
+ dns CESAREVS de ALANEO DE AMALPHIA ARCHIEPISCOPVS SALERNI-
tanvs MCCLXlll. Danach ist in dem Sarkophag der 1263 in seiner
Vaterstadt Amalfi gestorbene Erzbischof von Salerno, cesario de
Alagno, beigesetzt. In noch früherer Zeit war der Sarkophag als
Brunnentrog benutzt worden, wie das in seiner linken Schmalseite
angebrachte Ausflussloch beweist.

Abbildungen: gerhard Antike Bildwerke 1827 Taf. 118. —
M. camera Istoria de IIa citta e costiera di Amalfi 1836 tav. 3.

Litteratur: Gerhard Prodromus 1828 S.370fr.; F. M. Avellino
bei Camera a. a. O. p. qoss.\ Urlichs Jahrbücher des Vereins von
Alterthumsfreunden im Rheinlande I 1842 S. 47 fr.; O. jahn Archaeo-
logische Beiträge 1847 S. 80 f. A. 12; SciP. VoLPlCELLA Delle Anti-
chita di Amalfi e dintorni 1859 /. ijss.; LüBBERT Nuove Memorie
deW Institute II 1865 p. 153; Bernoulli Aphrodite 1873 S. 396f.;
Overbeck Griechische Kunstmythologie I (Zeus) 1871 S. 172 (b);
II (Hera) 1873 S. 130 (b).

Auf der sehr zerstörten Vorderseite Fig. 193 liegt in
der Mitte Venus in ähnlicher Stellung wie Rhea Silvia
auf 188. 190 —1921 schlafend da; der linke Arm ist auf den
Boden gestützt, die rechte Hand liegt auf dem Haupte; der
Oberkörper ist nackt. Rechts neben ihr kniet ein kleiner
Amor, der ihr den Kopf zuwendet, den rechten Arm zu ihr
emporhebt und in der Linken einen kleinen Gegenstand zu
halten scheint, der zu zerstört ist, um sich noch bestim-
men zu lassen. Links von ihr erscheint ein zweiter Amor,
dessen Action nicht mehr mit Sicherheit zu erkennen ist.
Doch scheint er den Mars herbeigewinkt zu haben. Dieser
nähert sich der Schlafenden behutsamen Schrittes, mit
Helm, Schwert, Schild und Chlamys versehen; in der

linken Hand hielt er die Lanze. Links von Mars steht der
Verräther Sol, ein schlanker, langlockiger Jüngling, mit
der Chlamys bekleidet; von seiner Strahlenkrone sind zwei
Zacken erhalten. Der betrogene Vulcan nähert sich eiliges
Schrittes von links. Er ist mit dem Arbeiter-Pileus und
der Exomis bekleidet. Mit der vorgestreckten Rechten,
die auf dem rechten Arm des Mars erhalten ist, zeigt er auf
Venus; die gesenkte Linke hielt wahrscheinlich ein Attribut,
Hammer oder Zange. Ueber Venus erscheint in lebhafter
Bewegung der bärtige Hercules. Von seiner linken
Schulter hängt das Löwenfell herab; die rechte Hand ist
mit ausgestreckten drei Fingern im Redegestus erhoben,
mit dem linken Arm umfasst er den neben ihm stehenden
Bacchus, der, nur mit der Nebris bekleidet und, wie es
scheint, mit einer Haarbinde geschmückt, die rechte Hand
auf seine linke Schulter legt. Neben Bacchus sitzt am
Boden sein Panther.

Als rechte Seitengruppe folgen die capitolinischen Gott-
heiten: Iupiter thronend, die linke Hand auf das Scepter
gestützt, von dem ein kleiner Rest am oberen Rand er-
halten ist; die rechte mit dem Donnerkeil ruht im Schooss,
das Haar schmückt eine Binde. Bekleidet ist er mit einem
den Rücken und den Unterkörper bedeckenden Mantel,
dessen einer Zipfel über den erhobenen linken Arm gewor-
fen ist. Zu seiner Rechten steht Iuno im hochgegürteten
Chiton und schleierartig über den Kopf gezogenen Mantel,
im Haar ein sehr zerstörtes Diadem. Beide Oberarme
gehen nieder; jedenfalls hielt auch sie in der linken Hand
das Scepter, von dem jedoch in Folge der starken Zer-
störung nichts mehr zu erkennen ist. An Iupiters anderer
Seite steht, das rechte Bein über das linke geschlagen, die
linke Hand auf die Hüfte gestützt, Minerva; in der vorge-
streckten Rechten scheint sie ihren Speer gehalten zu haben.
Sie trägt einen Helm mit langem Busch, einen ärmellosen
Chiton mit gegürtetem Ueberschlag und darüber die Aegis.
Zu ihrer Rechten steht am Boden ihr Schild. Links von
dieser Gruppe ist Mercur angebracht; er trägt eine auf
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