Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 41.1916

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WILHELM VON MASSOW

stellt, von Aton beschienen. ‘Die Farben der Rückenlehne
sind außerordentlich lebhaft und wirkungsvoll. Das Gesicht
und andere unbekleidete Stellen des Königs und der Königin
sind aus roter Glaspaste, der Kopfschmuck aus leuchtender,
türkisähnlicher Fayence. Die Gewänder sind aus Silber, das
durch das Alter mit einem wunderbaren Edelrost überzogen ist.
Die Kronen, Kragen, Schärpen und andere ornamentale Einzel-
heiten auf der Lehne sind alle mit farbigem Glas, Fayence,
Karneol und einer bis jetzt unbekannten Zusammenstellung ein-
gelegt — durchsichtigem, faserigem Kalkstein, der mit farbiger
Paste unterlegt ist und im Aussehen ganz dem Millefioriglas
gleicht. Der Hintergrund ist ebenso wie der Thron vergoldet.’
Die Annahme, daß sich eine ähnliche Technik, wenn auch
vielleicht nur einfacher, bis in die sai'tische Zeit erhalten hat,
vermag ich nicht zu belegen; sie wird aber wohl als unbedenklich
gelten dürfen, da für diese Zeit wenigstens das Fortleben der
alten Tauschierarbeit sichersteht, z. B. durch die Bronzestatue
der Takuschit in Athen (Delbrück, Ant. Porträts Taf. 10, Springer,
Handbuch 112 Abb. 124). Wenigstens auch schon ins I. Jahr-
tausend dürfte das mir von Herrn Prof. Karo nachgewiesene
assyrisierende Steinrelief aus Toprakkaläh bei Van gehören, wo
die nackten Teile und die Gewandmuster eines Mannes ein-
gelegt waren und herausgefallen sind, das ebenso eingelegte
baumähnliche Attribut der Hände aber z. T. noch in Eisen
erhalten ist (herausgegeben von Lehmann-Haupt, Materialien zur
älteren Geschichte Armeniens, Gotting. Abhandl. 1907 IX 2, 81 f.).
[Während der Druckberichtigung weist uns Dr. phil. Emil
Kunze in Leipzig ein noch besseres ägyptisches Vergleichsstück
nach: den Sarg des Priesters Anchpechrod, eines Urenkels des
Königs Takelothis I., der im Anfang des IX. Jhs. regierte, so
daß also der Sarg höchstens 200 Jahre älter ist als die Kypselos-
lade. Nach den Amtl. Berichten der preuß. Museen XXXIII
1911/12, 195ff. ist der Sarg aus Zedernholz, die Hieroglyphen
des ringsumlaufenden Schriftbandes sind aus Ebenholz eingelegt.
Daraus bestehen noch weitere Einlagen, andere aus rot und
grün gefärbten Knochenplättchen und blauer Glaspaste.]
Für die griechische Kunstgeschichte bezeugen das Fort-
oder das Wiederaufleben einer der kretisch-mykenischen sehr
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