Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 41.1916

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WILHELM VON MASSOW

Die Vertreter der zweiten Annahme berufen sich auf die
Worte TtsQuovzL V 19, 1 und jisqloöos V 18, 1. Blümner sagt
(S. 417), während er für xegiodog die Möglichkeit zugibt, es mit
Beschreibung zu übersetzen: ‘jieQuhcu kann nur von einem
Gegenstände, der sich ganz oder teilweise umgehen läßt, gesagt
werden, nicht aber vom Hin- und Hergehen längs einer Seite’.
Für die letzte Auffassung waren Jahn und Furtwängler, Meisterw.
723 eingetreten, durchaus mit Recht; denn jvsQutvcu heißt auch an
etwas entlanggehen, besonders um es zu betrachten. Z. B. ist ein
Hin- und Her- und sicher kein Rundherumreisen gemeint, wenn
Xenophon Anab. VII 1,33 von einem Offizier sagt ov (pevycov zi]v
cEXXdöa ji£qü']£l. Pausanias selbst erzählt III 15,4 von einem
Jungen, der in Sparta umherschlendert und sich umsieht, jc£qllövzl
öh xal d-£K>nhcf> TTjv jcoXlv. Ein solches Hin und Her ergibt
sich in unserm Falle schon aus der Bustrophedonbeschreibung.
Hätte es sich wirklich um Bildfriese gehandelt, die um die Ecken
herumliefen, so sollte man eine deutlichere Ausdrucksweise
erwarten, etwa wie beim Epistyl des Zeustempels in Olympia V
10,5: zrjg vjiIq zwv xlovcov Ji£Qid'£ovörjg £covr\g\ herumlaufende
Bänder werden auch IX 39, 9 und X 16, 2 £cvvcu genannt. Aus
Pausanias’ Worten ist also kein zwingender Grund für die An-
nahme von drei Bildflächen zu entnehmen.
Nach L. Mercklin (Arch. Zeitg. XVIII 1860, 101 ff.) sollten
ferner die metrischen Inschriften des zweiten und vierten Strei-
fens für drei Wandflächen zeugen, da nur Bilder der Mitte —
nach Mercklin der Vorderwand — solche Epigramme aufweisen.
Aber auch diesem Schluß fehlt die volle Beweiskraft, weil diese
Inschriften unregelmäßig verteilt sind und im vierten Streifen
überhaupt mehr auf der rechten Seite stehen. Auch läßt sich
sonst nichts dafür anführen, daß etwa die Streifenenden weniger
sorgfältig und reich ausgestattet gewesen wären.
Viel bedenklicher als die Mehrdeutigkeit der Worte jisQioöog
und ji£qu£vcu ist die Beobachtung, daß Pausanias, der doch bei
einer dreiseitig verzierten Larnax zehnmal um die Ecke biegen
müßte, dieses wirkliche Herumgehen nicht ein einziges Mal auch
nur andeutet. Und das, obwohl er durch die zweimalige An-
fangsbezeichnung eg clqi6t£Q(dv und eg d,Qiöz£Qäg das Bemühen
verrät, dem Leser auch für die Gesamtanordnung ein Weg-
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