Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 41.1916

Seite: 98
DOI Heft: DOI Artikel: DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1916/0116
Lizenz: Freier Zugang - alle Rechte vorbehalten Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
98

WILHELM VON MASSOW

Overbecks Zeichnung und A. Schneider (Troisch. Sagenkr. 89)
müßte der Kentaur als Wirt der Höhle wie Nereus auf der
Francjoisvase dem Wagenzuge entgegen gegangen sein. Dagegen
spricht einerseits Pausanias. Wenn er glaubt, daß die Nereiden
die Waffen dem Achill bringen, und daß Chiron zur Tröstung
des Helden kommt, und wenn er diese beiden Bildteile als ein
Ganzes zusammenfaßt, so war auch die Bewegungsrichtung die
gleiche. Andererseits wäre es nicht wahrscheinlich, daß Chiron
aus der Höhle gerade herauskäme, also in der Hochzeitsnacht
bei dem Paare geschlafen hätte, da das Gastbett im homerischen
Hause aus solchen Rücksichten außerhalb des Megaron aufge-
stellt zu werden pflegte (Noack, Homer. Paläste 43). Vielmehr
ist die gesamte Situation doch so zu verstehen: Die Hochzeits-
nacht geht zu Ende, aber das Brautpaar schlummert noch,
während die fleißigen Mägde schon den Empfang der Gäste
vorbereiten, die also erwartet werden, ähnlich wie sich in
historischer Zeit bei den Athenern nach der Brautnacht die
Verwandten mit Geschenken einfinden. Deubner wendet sich
freilich dagegen, daß hier die eigentlichen attischen sxavha
gemeint sein könnten (Arch. Jahrb. XV 1900, 153), denn daß
die Götter Gäste sind, sei wesentlich, nicht daß sie Geschenke
bringen. Aber das gilt wohl für die Fran^oisvase, doch nicht
für die Lade, auf der eben nicht alle Götter, sondern die Über-
bringerinnen des berühmten Geschenkes zu den Brautleuten
kommen. Also dürfte der Künstler doch wohl an eine den
attischen ijtavha eng verwandte Sitte angeknüpft haben. Chirons
Höhle lag in der Wildnis des Pelion, so bedurften die Gäste
eines Führers, daher schreitet also der Kentaur an der Spitze
des Zuges. Das gesamte Bild bietet demnach bis hierher eine
klar disponierte und deutlich charakterisierte Darstellung. Was
an zeitlicher und räumlicher Disharmonie zurückbleibt, entspricht
durchaus der ‘kompletierenden’ archaischen Art, die im selben
Bilde Ausgangspunkt und Ziel nah beieinander erscheinen läßt,
wofür die Troilosverfolgung auf der Fran^oisvase ein klassisches
Beispiel ist (vgl. Robert, Hermeneutik 182 ff.).
5. Die sogenannte Nausikaa, 19,9.
Die hinter Hephaistos auf einem Maultiergespann fahrenden
Frauen, deren eine die Zügel hält, während die andere ein Tuch
loading ...