Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 41.1916

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144 HANS MÖBIUS
lebhaft an die auf griechischen Dipylonvasen angewandte er-
innert (Abb. 6). Bestätigend treten ein Siegelzylinder1 und ein
Vasenfragment2 aus Susa hinzu.
Eine für den alten Orient charakteristische Eigenschaft
haben wir ferner hervorzuheben: das Gesicht wird häufig von
vorn dargestellt3, was in Ägypten fast nie vorkam. Der Dämon
der babylonischen Fluchtafel, der über den Rand des Reliefs
herübergrinst4, die Torstiere von Khorsabad oder die Löwen
hethitischer Torlaibungen, die dem Feind entgegenstarren, sie


Abb. 6. Siegelzylinder aus Kültepe.

alle sind demselben Temperament entsprungen, das sich mit
Lebhaftigkeit an den Beschauer wendet. In der Regel sind es
Göttinnen, die ihr Gesicht von vorn zeigen, so z. B. ganz
unförmliche Figuren der Nisaba (?) auf dem Fragment einer
Basaltschale in Berlin5 und einer Berggöttin auf einem Kalk-
steinrelief aus Tello6. Bei ihnen kommt die Bewegung des
Sitzens eigentlich nur in dem Schwung der mittleren Gewand-
falten zum Ausdruck. Viel besser ist das Herausblicken aus
der Relieffläche auf späteren Darstellungen gemeistert, wie der

v de Morgan, Deleg. en Perse XII 105 fig. 89.
2 de Morgan, a. a. O. 106 fig. 97 ter. K. i. B. II 52, 5.
3 Zu Unrecht wurde die Häufigkeit der Vorderansicht geleugnet
von A. Riegl, Öst. Jh. IX 1906, 12; vgl. dagegen Curtius, Gilgamesch
und Heabani S. 69 und Springer-Wolters I12 53.
4 K. i. B. II 55, 7, 8.
5 Amtl. Ber. a. d. Kgl. Mus. 36, 1915, 115f. Fig. 44.
6 Dec. p. 209. K. i. B. II 42, 5.
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