Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 41.1916

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HANS MÖBIUS

dem Stuhl erscheinenden Tierkopf wird wohl der die Göttin
begleitende Löwe gemeint sein. Es ist ja überhaupt eine charakte-
ristische Eigentümlichkeit orientalischer Götterbilder, daß ihr
Thron von Tieren, meistens Fabelwesen, flankiert wird1.
Phönikische Statuetten wie die von Solunt2 oder der Baal-
Hammon der Sammlung Barre3 sind wohl schon von Griechen-
land, besonders im Faltenwurf beeinflußt, auch Bronzen wie die
sitzender Männer im Louvre4 lehren nichts Neues. Dagegen zeigen
die Metallgefäße den Mischcharakter dieser Kunst aufs deutlichste.
Auf der Schale von Olympia5 sind ägyptische Gottheiten
dargestellt, aber der ‘Osiris’6 hat die ‘orientalische Silhouette’
angenommen, und die ‘Isis’ sitzt auf dem Klappstuhl, der wohl
nur in Kleinasien für göttliche Personen verwendet wird; vor
beiden stehen asiatische Altäre. Was die Phöniker leisteten,
wenn sie einmal selbständig zu arbeiten suchten, zeigt eine
Bronzeschale aus Idalion7: hier ist überhaupt die Haltung des
Sitzens so wenig deutlich gemacht wie auf den primitivsten
babylonischen Werken.
Ins entgegengesetzte Extrem verfällt der Maler einer kypri-
schen Vase von Ormidia in New York8: die ‘orientalische
1 Sumerische Statuette einer Göttin zwischen zwei Gänsen aus Ur:
Brit. Mus. Quarterly 1 pl. XXI b. Göttin zwischen Sphingen: Votivbasis
vom Libanon (Mendel, Mus. Ottom. I Nr. 99), Terrakotten von Cypern (Brit.
Mus. Catal. of Terracottas A 261. Winter, Typenkatalog I 90, 4). Baal
zwischen Sphingen: kyprischer Skarabaeus (Ohnefalsch-Richter, Kypros
Taf. 82, 3. Furtwängler, Gemmen Taf. XV 2), Terrakotten aus Nordafrika
(Arch. Anz. 1910, 271 f. Abb. 7).
2 Arndt-Amelung, Einzelverkauf 546; vgl. Furtw., Gemmen III 109.
Mem. dell’Accad. d. Lincei 5. ser. XV fase. 4, 1917 tav. III 1. Phönikisch
ist wohl auch eine große primitive Terrakotta-Figur aus Granmichele
(Mon. Line. VII 1897 Tav. III). Die Erhöhungen zu beiden Seiten der
Sitzbank scheinen mir Andeutungen der begleitenden Tiere zu sein.
3 Froehner, Collection Barre 21 Nr. 161. P.-Ch. III 73 Fig. 25.
4 Phot. Alinari 23834. AM. XLVI 1921 Taf. III 3.
5 Olympia IV Bronzen Taf. 52. Poulsen, Orient24, Nr. 12. K.i.B.IV107,4.
6 v. Bissing (Arch. Jb. XXXVIII/XXXIX 1923/24, 227) hält die Gestalt
für weiblich.
7 Poulsen, Orient 20 Nr. 3. Gisela M. A. Richter, New York Bronzes
Nr. 535. K. i. B. IV 107, 5 = 104, 3.
8 P.-Ch. III 711 fig. 523, danach hier Taf. VI 5. Brunn, Kunstgesch.
I 129 Abb. 98. Helbig, Homerisches Epos2 120 Abb. 20.
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