Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 41.1916

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FORM UND BEDEUTUNG DER SITZENDEN GESTALT

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die ältesten Sitzstatuen geliefert hat, erscheint zwischen 550
und 520 Zeus Lykaios auf dem Thron1.
Dieses verhältnismäßig seltene Auftreten des thronenden
Gottes ist außerordentlich bezeichnend für den Gegensatz
zwischen orientalischer und hellenischer Geistesrichtung. Dort
bestimmt die feierliche Repräsentation, hier das lebendige Handeln
das Bild des Mannes und Gottes.
Statuen als Weihgeschenke sind inschriftlich bezeugt. Die
Branchiden und Aiakes sagen uns selbst, daß sie ihre Abbilder
den Göttern darbringen. Warum sie dazu gerade die sitzende
Figur wählten, scheint selbstverständlich zu sein: jeder Grieche
weihte sein Bild so wie es am meisten charakteristisch ist2, und
welche Haltung sollte für den Fürsten und Priester3 bezeich-
nender sein als das feierliche Thronen? Aber es ist doch auf-
fallend, daß uns aus dem griechischen Mutterlande, etwa von den
Tyrannen Athens und Sikyons, keine solche Statue erhalten
oder bezeugt ist. Demnach sind die thronenden Branchiden
nichts anderes als Nachahmungen orientalischer Könige; gleich
diesen vergötterten Herrschern beanspruchten sie die Ehre des
Thrones. In den Augen der Hellenen hingegen, die sich von
orientalischer Sitte frei gehalten haben, kam der Thron nur
den Göttern und Heroen zu. im Leben bedienten sich zwar
die Vornehmen des Thrones, das bezeugen uns Vasen wie der
Amphiaraoskrater4, in der monumentalen Plastik wird er zum
Attribut der Götter.
Ganz sicher Weihgeschenke sind ferner die Schreiberstatuetten
und das Töpferrelief5 von der Akropolis. Diese Handwerker

1 Babeion, Traite III pl.38 fig.8—17. Regling, Antike Münze als Kunst-
werk Taf.VII 178. AM.XLVI 1921, 30Anm. 1 (Rodenwaldt). Vgl. eine Bronze-
statuette vom Lykaion in Athen (Stais, Marbres et bronzes Nr. 13209 p. 315).
2 Reisch, Griech. Weihgeschenke 19. Zu den Branchiden vgl. Kleint
Griech. Kunstgesch. I 150. Lippold, Griech. Portätstatuen 6ff.
3 Sitzende Priester, die nicht zugleich Könige sind, kenne ich aus
der bildenden Kunst nicht, dagegen sind sie in der Literatur bezeugt.
Herodot V 72: Priesterin der Athena Polias auf einem Thron im Adyton.
Vgl. Reichel, Vorhellen. Götterkulte 19.
4 Furtw.-Reichhold Taf. 121.
5 Dickins Nr. 1332. Furtwängler, Aegina 495 Abb. 405. Waldrpann,
Griechische Originale Taf. 54.
ATHENISCHE MITTEILUNGEN XLI 1916.

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