Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 41.1916

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WALTHER WREDE

(s. S. 341 ff.). Sonst sehen wir etwa den Pferdeburschen das Pferd
streicheln oder ihm etwas hinhalten (18, 40, 149, Taf. XXXI1).
Kleine jtazöeq waren am besten geeignet, den unter den Pferde-
köpfen entstehenden Raum zu füllen; man wollte einen vertikalen
Abschluß am Bildrahmen, dem die vorspringenden Pferdeköpfe
entgegen waren, und reichte der Platz nicht, eine ganze Figur hin-
zustellen, so schob man einen kleinen xaiq unter die Pferdeköpfe.
War das Motiv dann einmal geschaffen, erschien es auch in Fällen,
in denen ihm solche Aufgabe nicht mehr zukam. Deutlich ist
das Moment der Raumfüllung auf 34 (Taf. XVII) sowie auf 15
(Taf. XVIII), wo aber aus dem Pferdeburschen ein kleiner, wohl-
gekleideter Junge geworden ist mit einem Kranz in der Hand,
den er noch vom Reigen mitgebracht hat. Überhaupt fließen
selbstredend solche Typen wie der jugendliche jcaZq und die
Kinder bei Ausfahrtsszenen zusammen. So reicht auf der Schale
118 ein kleiner Knabe zu dem Pferde hinauf, der die genaue
Analogie zum Alkmaion des Amphiaraoskraters und der italo-
ionischen Amphora in München (132, Abb. 7) bildet, und auch
solche Burschen wie die auf 18 und 40 stehen dem Alkmaion
sehr nahe2. Anderseits ist ein Knabe im Hippotionschema
auf der ‘tyrrhenischen’ Amphora 11 (Taf. XV) unmittelbar vor
dem Wagen (hinter der Deichsel) dem Lenker zugekehrt ange-
bracht 3.
Die Tradition der stehenden Figur vor den Pferden ist
überaus zäh, nur konnten an Stelle des Pferdeburschen auch
andere Personen treten; so ein alter Mann mit Speer auf der

1 Genau das gleiche Motiv schon auf ägyptischem Relief Wilkinson,
Manners and Customs 111 179.
2 Vgl. auch den korinthischen Krater Louvre E 637, Pottier pl. 50
und Ägyptisches wie v. Bissing-Bruckm., Textabb. zu Taf. 94.
3 Hier sei der kleine Knabe unter den Pferden der Amphora 31
erwähnt, wie er Gerhard, AV. 310 wiederkehrt und mit den Kindern
unter der Kline der Prothesisflasche in Bologna, Pellegrini, Cat. vasi an-
tichi nr. 190 fig. 20 zu vergleichen ist (bei letzterem erinnert man sich der
an derselben Stelle Sitzenden oder Knieenden auf Dipylonvasen; vgl. S. 271).
Angesichts dieser Figuren wird einmal das Abstrakte solcher Raumfüllung
besonders deutlich: sie sind an ihre Stelle gesetzt, um den Raum unter
Pferden oder Klinen zu füllen, während sie, in die Perspektive übertragen,
doch neben ihnen stehen würden.
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