Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 41.1916

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KRIEGERS AUSFAHRT IN DER ARCHAISCH-GRIECHISCHEN KUNST 281
Hoplitenfiguren vor den übrigen dürfte der sein, daß die Maler so
den großen Rundschild in unüberschniltener Außensicht zeigen
konnten, und zwar möglichst in der Mitte des Bildfeldes. Das
ist schon früh (112) geschaffen worden, um dann weiterzuleben.
Einen ganz festen Typ bildet ferner der umblickende
Hoplit, sei es, daß er zwischen anderen Personen steht, wie
17, 32 (Taf. XXI), 43, 54 (Taf. XXII), 77 (Taf. XXVI), 110, oder
das Bild seitlich abschließt: 28, 38, 44, 98. Schließlich hat ja
auch der von den Kindern Abschied nehmende Vater, der auf
der ‘tyrrhenischen’ Amphora 9 eine so starke Gruppe bildete, in
seiner abgeblaßten Form 16 (Taf. XXI) keinen tieferen Gehalt
mehr als die zu Typen erstarrten ‘Umblickenden’, wenn sie
aus dem Bildfeld heraussehen. Zwischen 9 und 16 steht die
Amphora 12 (Taf. XVI), in der die Kinder fehlen, der Held aber
zu seiner Gattin zurückschaut1. Daß zuweilen und wohl ur-
sprünglich in dieser Bewegung ein fein berechneter Zug liegen
kann, wurde bei Besprechung der Frauen gesagt (ob. S. 265f.). —
Das Motiv des schreitenden, umblickenden Menschen ist uralt
und wurde seit dem Erntezug von Hagia Triada vor allem überall
da benutzt, wo es galt, in einer einseitig bewegten Reihe abzu-
wechseln. Aber dieser feste Typus des Gehenden, der mit der
gebeugten, vor den Leib gelegten Rechten gestikuliert oder etwas
damit hält, wie der Berliner Amphiaraos sein Schwert und die
hier besprochenen Hopliten ihre Lanze, ist erst in der attischen
Kunst in den immer wieder angewandten Formenschatz auf-
genommen worden (vgl. Fran$oisvase: Hermes, Nereus u. a.).
Fest wiederkehrend ist ferner die Gruppe zweier Krieger
(oder eines Kriegers mit einem Zurückbleibenden) nebeneinander,
d. h. sich gegenseitig mehr oder weniger verdeckend, gestaffelt:
20 (Taf. XIX), 41 (Abb. 4), 67, 68 (Taf. XXIV), 77 (Taf. XXVI).
Durch solche Gruppen wird die Komposition noch gedrängter,
und Bildern wie 68 und 112 sieht man es an, wie der Maler bemüht
war, den Eindruck einer ganzen Heerschar zu erwecken2. Die
1 Ist es nur ein Zufall, daß auch der Maler der Münchener Vase
(16) vergaß, dem umblickenden Vater eine Lanze in die Hand zu geben,
deren Fehlen bei 9 motiviert ist?
2 Der Held im Mittelpunkt, seine Leute als Nebenfiguren: man
wird an Katalogepik erinnert, wie sie sich noch in Statius’ Thebais IV
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