Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 41.1916

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KRIEGERS AUSFAHRT IN DER ARCHAISCH-GRIECHISCHEN KUNST 307
die zentrale Komposition (um von allem anderen, besonders
ihrem Inhalt, abzusehen) hebt sie über diese empor.
Jene Auseinanderziehung der erstgenannten korinthischen
Vasenbilder mit Ausfahrten ergab sich inhaltlich aus der Ver-
vielfältigung der ausziehenden Hopliten. Der Maler wollte auch
sie als Abschiednehmende charakterisieren, und so entstanden
ihre Sondergruppierungen mit Zurückbleibenden. Wo man sich
mit dem Abschied eines Helden von seiner Familie begnügte,
ihn also zum alleinigen Mittelpunkt des Bildes machte, schloß
sich von selbst die Komposition zusammen. Dafür ist das
großartigste Beispiel der Amphiaraoskrater, über den wir uns
in dieser Hinsicht nun nicht mehr zu verbreiten brauchen. —
Auf der ‘tyrrhenischen’ Amphora 11 (Taf. XV) ist die Kräfte-
verteilung eine ähnliche, aber doch nicht so konsequent durch-
geführte: die rechte Seite überwiegt. Auch die Amphora 9
richtet ihre Figuren von beiden Enden auf den Hauptvorgang
hin, dessen Schwerpunkt aber dadurch, daß ‘Amphiaraos’ vom
Wagen getrennt wurde, stark vom Zentrum abgerückt ist.
Die ‘tyrrhenische’ Amphora 10 (Taf. XV) vermittelt in gewisser
Weise den Übergangzu den großen attischen Auszugsbildern; hier
ist der Aufsteigende schon ganz an das linke Ende gerückt; auch
hier spielen alle Figuren auf ihn zu, die beiden Krieger sind
wie eine äußere Zutat an das andere Ende gestellt, während
die übrigen Figuren: der Ausziehende mit Lenker, Frau neben
und Sitzender vor den Pferden, unter sich das Auszugsschema
gleichsam in reinster Form geben. Aber der Alte vor dem
Gespann geht in seiner Hockstellung auf der Erde noch mit
der Amphiaraostypik zusammen.
Die Reihe von älteren Vasenbildern, die sich in der Typik
mehr oder weniger mit dem Amphiaraoskrater in Verbindung
bringen lassen, hat noch eines gemeinsam, was sie von der
Mehrzahl anderer Ausfahrtsvasen scheidet: sie lassen z. T.
die begleitenden Hopliten weg, wollen nur den Abschied des
Helden von der Familie, und den in um so stärkerer Drastik
geben (4, 9, 12, Taf. XVI). Die Folgezeit hat das aufgegeben,
die Drastik verliert sich, und an ihre Stelle tritt eine ruhigere,
fast feierlich anmutende Auffassung, die Hoplitentypen aber werden
zum festen Bestände. Das bedeutet keinen Wechsel der Typik,
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