Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 41.1916

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KRIEGERS AUSFAHRT IN DER ARCHAISCH-GRIECHISCHEN KUNST 327
selbst zu komponieren versucht, wie er ja auch in dem voran-
schreitenden Augur (dem Seher, der mit zu Felde zieht, falls
es sich nicht überhaupt um einen Festzug handelt) ein eigenes
Motiv schaffen mußte1.
Wieder völlig verschieden sind die Friese von Caere und
Tarquinii (138)2. Schon der Wagentyp steht für sich (Nachod,
Rennwagen 61). In den Pferden kreuzen sich die heterogensten
Vorbilder. Ihre langweiligen, etwas zugespitzten Köpfe, hinter
denen die Mähne wie ein großer Lappen hängt, fallen dem etrus-
kischen Modelleur zur Last, während man in denen der Reiter-
platten (Mon. d. I. Suppl.Taf. I r. unten; Ny-CarlsbergTaf. 177,4)
mit dem besser bewegten Kontur und den fliegenden Mähnen
ionische Anklänge finden möchte. Die Platten mit dem Auf-
steigenden geben die Hinterbeine der Pferde in dem ruhigen
Schritt mit gleichmäßiger Staffelung wie die orientalisierenden
Vasen, in den Vorderbeinen wird Differenzierung versucht (vgl.
Toscanella); die Platten mit bereits aufgestiegenem Parabaten
zeigen dagegen gehobene und gebogene Vorderbeine wie orien-
talische, ionische, chalkidische und ‘tyrrhenische’ Pferde (s. ob.
S. 290). Für die Betrachtung der Stellung der Pferde zueinander
sind die Kopenhagener Exemplare (138/9) ihrer guten Publikation
wegen zugrundezulegen. Sie zeigen Viergespanne3 (wie denn
überhaupt die Pferdezahl in dieser Gattung durchaus schwankt)4,
deren zurückliegende Pferde aber z. T. ohne Relieferhöhung auf
den Grund gemalt sind5. Und während Ny-Carlsberg Taf. 177,
1 u. 2 die korinthisch-attische Anordnung der Köpfe geben, sind
diejenigen von 3 erhoben und übereinandergestaffelt, wie auf
der melischen Apollovase (Conze, Mel. Tongef. Taf. IV = Pfuhl,
Mal. u. Zeichn. Abb. 108). Sollten auf dem Londoner Exemplar
1 Pellegrini, a. a. O. 95 und 111 mit Anm. 71; Helbig, Melanges
Perrot 168 f.
2 Die Londoner Exemplare scheinen, nach der Beschreibung im
Katalog zu schließen, leichte Varianten aufzuweisen. Mir fehlen Abbil-
dungen.
3 Das entging Nachod S. 63, wo im übrigen die Bespannungsfrage
behandelt ist.
4 Vgl. auch Pellegrini, a. a. O. 101 fig. 8 und 103 fig. 9.
5 Das ist mittels dicker roter und schwarzer Striche auch bei dem
Berliner Exemplar geschehen, was die Monumenti-Tafel nicht wiedergibt.
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