Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 41.1916

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WALTHER WREDE

das dritte und vierte Pferd gefehlt haben, so ist hier die Stel-
lung der vorderen Pferde des Viergespanns, also der plastisch
herausgearbeiteten, einfach für das Zweigespann übernommen1.
Die Aufzäumung der Pferde mit ihrem reichen Riemenwerk er-
innert an Orientalisches und die kretische Sima (vgl. Nachod,
Rennwagen 64f.), doch darf man bei solchem rein praktischen
Detail nicht ohne weiteres an Entlehnung denken. Der /xao-
XcdiöxijQ ist als Schlinge um das rechte Vorderbein geführt.
Den Helm mit dem merkwürdig großen Gesichtsausschnitt, wie
ihn der Parabat des Berliner Stückes trägt, wird man lediglich
dem Tonformer zur Last legen. Die Tracht der Parabaten, die
aussieht, wie ein bis an die Kniee reichender Chiton mit kurzem
Panzer darüber, hat Pellegrini (S. 99 Anm. 33) richtig auf der
Münchener Vase (132, Abb. 7) wiedererkannt, doch wird man
sie als aus einem Stück gefertigten Linnenpanzer auffassen
müssen2; dafür spricht die einheitliche weiße Färbung auf
der Vase und deren genaue Analogie auf dem Fries von
Palestrina (139), wo auch Pasqui (a. a. 0.124) sie als hvofrcoQrjg
deutet. — Das kurze Wams der Lenker hat vor dem Bauche
eine Falte, die auf Gürtung mit kleinem xöXjiog schließen läßt.
Es ist eine archaische Kriegertracht, für die Poulsen3 Beispiele
beigebracht hat.

1 Nebenbei bemerkt dürfte der ‘galop reel’ der Reiter auf den
Platten Mon. d. I. Suppl. 1 links unten und Ny-Carlsberg Taf. 177, 5 ganz
singulär sein. Das Beispiel entging Reinach, Rev. arch. 3. Ser. XXXVI
1901 1 217 und 220 (fig. 3), der das Schema für ausschließlich modern
erklärt.
2 So anscheinend auch Wiegand zu Ny-Carlsberg Taf. 177, 2.
3 Orient 152 und 176 ob.: Grabrelief von Isinda, abg. ebd. 153 Abb. 182;
Bronzewagen von Monteleone, Br.-Br. 586ff.; die von Poulsen mit-
aufgeführte spartanische Reliefvase BSA. XII 1905/06 Taf. 9 scheidet
aber aus. —- Vgl. ferner die etrusk. Stele Martha, L’art etrusque 368
fig. 2541; Apollo auf der melischen Amphora Conze Taf. IV(?). — Man
wird auch an die bogenförmigen Ausschnitte am unteren Rande der
chalkidischen Chitone erinnert: Furtw.-Reichh. 102 links unt.; Mon. d. I.
1 51 (vgl. Hauser, Furtw.-Reichh. III S. 9 Anm. 22); Rumpf, Chalk. Vas. 27
Nr. 114, Taf. 129—130. Auch die Tracht des Lenkers der kretischen Sima
hat Savignoni, a. a. O. 68 (66: ‘cortissima giubba’) mit der hier be-
sprochenen zusammengebracht. Eine bestimmte Reihe aufzustellen,
erlaubt das Material noch nicht.
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