Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 41.1916

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WALTHER WREDE

Ornamentalen zum Figürlichen um seiner selbst willen bedeutet,
wenn das eine Pferd fortfällt und so der nackte Typus des
Pferdführenden entsteht1 2. Es gab sich dann von selbst, daß
der Mann sich zum Pferde umdreht, wie auf allen unseren
Schirrszenen, in denen dieser erste Typus erscheint (147,148,149,
Taf. XXXI, 151, Taf. XXX, 152, Abb. 10, 156, Taf.XXVIll, 160, 161,
172, 176)2 oder schon auf der Chigikanne. Auf dieser ist auch
bereits die rechtwinkelige Krümmung des Armes mit nach außen
gekehrtem Ellenbogen vorgebildet3, wie sie 147, 148, 149 (Taf.
XXXI), 175 zeigen, ein Archaismus und doch eine gut beobachtete,
gespannte Haltung; sie ist weniger hart z. B. 160, 172, 176, wo
die zügelhaltende Hand bis vor den Körper gebracht ist: das
ist dann ganz der Typus des‘Umblickenden’, den wir kennen
(s. S. 281). Der locker gebeugte Arm mit Ellenbogen nach
unten dagegen (151, Taf. XXX, 155) läßt sich direkt von jener
geometrischen Form des Motivs herleiten.
Die Hydrienbilder 153 (Taf. XXIX), 154, 158 (Taf. XXXII)
zeigen den anderen Typus: das Pferd wird seitlich geleitet. Das ist
im schwarzfigurigen Stil sonst das häufigere, einfach weil Szenen
mit pferdführendem Reiter die häufigeren sind, und der Reiter
geht eben neben dem Pferd. Hier haben die Maler viel experi-
mentiert4, bis vom hochschwarzfigurigen Stil ab das ruhige
Führen, und zwar von jenseits des Pferdes (von ihm über-
schnitten) zum festen Typus wird, wie es die mykenische Malerei
bereits gekannt hatte (s. S. 240). Die epiktetische Schale 181
(Taf. XXXIV) bringt auch hier etwas Neues, wenn der Führer
diesseits des Pferdes steht und mit der Rechten über seinen

1 S. Tiryns I Taf. 15, 13.
2 Da sich jede Bewegung hier so von selbst aus der dargestellten
Handlung versteht, braucht man nicht an Typenübertragung zu denken,
wenn der Pferdführende des ägyptischen Reliefs Wilkinson, Manners and
Customs I pl. IV sich in nichts Wesentlichem von dem der Madrider Hydria
155 oder der Oxforder Amphora 163 (Taf. XXXIII) unterscheidet.
3 Cultrera, Ausonia VIII 1913, 121 beobachtet richtig, daß die Arm-
und Handhaltung des Pferdführenden sich in nichts von der der Reiter
des gleichen Bildes unterscheidet. So typenarm ist diese Stufe noch.
4 S. die ‘tyrrhen.’ Amphora im Louvre E 851 = Thiersch, Tyrrhen.
Amphoren Nr. 11 = Mon. d. I. III 46, 6; oder die hocharchaische sf. Hydria,
München, Jahn 1276; die sf. Schale JHS. V 1884 pl. 43.
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