Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 41.1916

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KRIEGERS AUSFAHRT IN DER ARCHAISCH-GRIECHISCHEN KUNST 351
Endlich ist hier die Münchener Hydria 150 (Taf. XXXI)
anzureihen, und zwar näher an die Berliner als an die Madrider.
Das seitliche Rahmenornament, die gegenständige Palmettenkette
ist in dieser Form im spätschwarzfigurigen Stil häufig und bei
Andokides beliebt1. Die Kopftypen mit ihren am unteren Rande
sorgfältig gestrichelten Haarkappen, leicht geschwungenen Nasen,
ovalen Augen sind denen des Berliner Stückes ähnlich. Auch
die schöne Verteilung von Rot (hier sehr sparsam, nur an
Kopfbinden und einzelnen Teilen des Geschirrs verwendet)
und Weiß (hier Chiton und Panzer des Wagenbesteigenden) ist
beiden gemeinsam2.
Wird man die besprochenen Hydrien trotz ihrer Unter-
schiede als stilistisch nah zusammengehörend betrachten und
als die entwickeltsten der ganzen Reihe jedenfalls in einer Werk-
statt entstanden denken, so lassen sich drei andere auf den
ersten Blick unter sich als Erzeugnisse desselben Töpferofens
zusammenfassen: die beiden Münchener Exemplare 148 und 149
(Taf. XXXI) und das Londoner 154, und dazu wird man noch
die Pariser Hydria 152 (Abb. 10) gesellen3. Sie sind älter als
die schon besprochenen Stücke, stehen noch stärker in schwarz-
1 Aber sonst als oberer und unterer Rahmen; seine seitliche,
vertikale Anbringung auch 157.
2 Kleins Vermutung (Lieblingsinschr. 6), daß der auf dieser Hydria
gepriesene Liebling Leokrates der Sohn des schönen Stroibos von der
sf. Schale Gerhard, AV. 190/91, 3 u. 4 (Klein, a. a. O. 49) und somit mit
dem Strategen (Thuk. I 105) identisch sei, paßt in der Tat zu der Chrono-
logie ausgezeichnet.
Die Vase enthält noch eine technische Merkwürdigkeit. Die schwarze
gravierte Linie, die vom Hals des rechten Beipferdes schräg nach rechts
führt und unter dem Bart des Lenkers endet, kann man nur als das
Kentron des Wagenbesteigenden erklären, obwohl sie dafür zu tief ansetzt
(die verdeckten Arme des Zügelführers werden in der Ergänzung ja über-
haupt zu kurz). Sie setzt sich in einem bei richtiger Beleuchtung des
Originals deutlichen, auch auf unserer Tafel erkennbaren Firnisstrich
auf dem Körper des Beipferdes fort. Der Maler zog also das ganze
Kentron erst in Firnis aus, um in seiner Richtung sicher zu gehen.
3 Soeben erscheint Beazley’s Aufsatz im JHS. XLV1I 1927, 63ff.,
der diese Vasen auch zusammenfaßt und in das Werk des ‘Antimenes
Painter’ einreiht. Danach stammen auch unsere Vasenbilder 53, 72, 73,
99, 161 von der Hand dieses Meisters, von denen mir (außer von 73,
Taf. XXIV) keine Abbildungen Vorlagen.

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