Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 41.1916

Page: 357
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1916/0403
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
KRIEGERS AUSFAHRT IN DER ARCHAISCH-GRIECHISCHEN KUNST 357
sich mit dem Allgemeinen dieser Sphäre begnügten, sollen wir
nicht fragen und jedenfalls nicht durch Verallgemeinerung das
eine oder das andere einfach leugnen. Während ein Teil der
Schirrszenen die mythologische Sphäre beibehält (144 Achill,
163, Taf. XXXIII, 168, 181, Taf. XXXIV: Herakles und Athena,
151, Taf. XXX: Amazonen), haben wir wohl sicher ßiog bei
anderen der Schirrszenen mit ihren Epheben: Vorbereitung
zur Rennfahrt; wir bewegen uns dabei ganz im Kreise der
frührotfigurigen Palästrabilder. Dagegen können wir bei den
etruskischen Friesen nicht einmal die allgemeine Frage:
tägliches Leben oder mythischer Gedankenkreis? entscheiden,
da in Etrurien der Kriegswagen bis in die klassische Zeit in
Gebrauch war1. So bleibt für die etruskischen Denkmäler die
Möglichkeit offen, daß sie Szenen aus dem Leben meinen, zu-
mal sie mit kultischen Szenen, Prozessionen usw. abwechseln.
Das mußte für die einzelnen Gruppen der behandelten
Denkmäler kurz ausgesprochen werden. Im Prinzip sind es
jetzt allgemein bekannte Dinge. Der alte Streit um Mythos
und ‘Genre’, d. h. die Frage, ob die griechische Kunst sich
ursprünglich an Stoffen aus dem Epos geübt oder zunächst das
tägliche Leben dargestellt und die hier gewonnenen Typen in
zweiter Linie auf Szenen mythologischen Inhalts übertragen
habe, ist längst als falsche Problemstellung abgetan. Furtwängler
und Loeschcke, die beiden Gegner in diesem Streit, haben das
später selbst erkannt. Auch die Art eines Ausgleichs, wie ihn
Heydemann2 durch das Schlagwort ‘Heroisierte Genrebilder’
zu gewinnen suchte, war in der Verallgemeinerung verfehlt
und krankte vor allem an der Verwechslung der Begriffe
‘Genre’ und ‘Typus’; im Grunde blieb auch er bei der alten
Prioritätsfrage.
Wir glaubten wenigstens einen Typus unserer Ausfahrts-
szenen als aus einer bestimmten epischen Situation geschaffen
1 Nachod, Rennwagen 5ff. — Helbig, Melanges Perrot 167ff.; Furt-
wängler, Text zu Br.-Br. 586/587, S. 11.
2 Commentationes in honorem Th. Mommseni 163ff.; vgl. auch
Luckenbach, a. a. O. bes. 534f.; Milchhöfer, AM. V 1880, 181 f. Anm. 3. —
Ähnlich, aber doch noch besser empfunden scheint mir zu sein, was
Brunn, Kl. Sehr. III 170 ff. mit dem Terminus ‘sante conversazioni’
fassen wollte.
loading ...