Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 41.1916

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MATERIALIEN ZUR GESCHICHTE DER ÄGÄISCHEN WANDERUNG 381
historischer Zeit die erwähnten Tumuli, wozu sich noch manche
andere noch nicht erforschte, so die von Th. Wiegend im Hinter-
lande von Kyzikos festgestellten (AM. XXIX 1904, 285 ff.), ge-
sellen mögen. Nur von einem derselben ist der Inhalt bekannt
geworden (zu Jeniköi AM. XXIX 1904, 286f.), er stammt aus
historischer Zeit, manche mögen älter sein; daß sie aber über
1200 hinaufreichen, bleibt unwahrscheinlich1.
Die Erforschung der phrygischen Hügelgräbernekro-
pole von Gordion verdanken wir den Brüdern Gustav und
Alfred Körte (Gordion 36 ff.). Es wurden von ihnen fünf Tu-
muli ausgegraben, die einzigen in Kleinasien, welche in einer
allen Ansprüchen der Wissenschaft Rechnung tragenden Weise
untersucht worden sind. Gemeinsam ist ihnen das Fehlen ge-
mauerter Innenarchitekturen. Die drei älteren (VIII. und VII. Jh.2)
weisen vielmehr von Steinpackung umgebene, große Holzkisten
auf, die zwei jüngeren je ein Depot von Leichenbrand und Bei-
gaben ohne erkennbaren Schutz. Die Hügelgräber mit Holz-
kisten sind uns von größter Wichtigkeit, da sie eine von myke-
nischem Kultureinflusse vollkommen freie und zugleich barba-
risch ursprüngliche Form des Hügelgrabes darstellen. Da sie
zudem sicherlich von Phrygern angelegt sind, so spricht m. E.
alles dafür, daß das Hügelgrab mit Holzkiste eine spezifisch
phrygische Grabform darstellt, welche die Phryger im Verlaufe
der ägäischen Wanderung aus Europa mitgebracht haben. Diese
Annahme gewinnt durch folgende Überlegungen noch an Wahr-
scheinlichkeit. Einmal ist in Europa für die Zeit vor 1200 das
Hügelgrab ohne Steinarchitektur in der Tat zu belegen, dann ist
die in Phrygien ursprünglich heimische, spezifisch kleinasiatische
Grabform ganz anderer Art und wird durch das anfangs schmuck-
lose, dann aber reich skulpierte Felskammergrab vertreten3.

1 Die Funde a. a. O. 287 Abb. 19 stammen m. E. aus einem Teil.
2 Gordion 97ff.; vgl. auch Studniczkas Ansatz bei Bethe, HomerlI387.
3 Die Landesnatur im allgemeinen, wie insbesondere die Weich-
heit des Felsmateriales, lädt kaum irgendwo in dem Maße ein, Felsen-
gräber anzulegen, wie in Kleinasien. So findet sich denn in Europa,
höchstens von Etrurien abgesehen, nichts Ähnliches. Zur Felsbearbei-
tung als kleinasiatischen Werkart vgl. Lehmann-Haupt, Armenien einst
und jetzt II 2, 603—656.
ATHENISCHE MITTEILUNGEN XLI 96.

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