Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 41.1916

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MATERIALIEN ZUR GESCHICHTE DER ÄGÄISCHEN WANDERUNG 383
mente haben sich bekanntlich ja auch in Lydien niedergelassen
gehabt, und zudem spielte nach der ägäischen Wanderung das
Phrygervolk in ganz Westkleinasien als Machtfaktor eine be-
deutende Rolle. So konnte es kommen, daß sich der phrygische
Qrabtypus auch nach Westkleinasien verbreitete. Freilich wurde
hier unter dem Einflüsse des mykenischen Typus die Holz-
zimmerung durch Steinarchitektur ersetzt, ja die Decke mit-
unter sogar durch vorkragende Steinreihen eingewölbt (Texier
II, Taf. 131, 1 f.). Die uns bisher bekannt gewordenen Gräber
sind in ihrer Mauertechnik so weit fortgeschritten, daß man auch
die ältesten nicht früher als im ausgehenden VIII. Jh. ansetzen
wird. Die Mehrzahl der Gräber von Bin-tepe stammt jeden-
falls aus der Blütezeit des lydischen Reiches (660 — 546). Da-
mit stimmen die im Alyattesgrabe gemachten Funde aufs beste
überein (so auch Karo, AM. XXXXV 1920, 145).
Unter den karisehen Hügelgräbern sind die ältesten jene
der Halbinsel Budrum1. Sie beginnen anscheinend mit dem
XI. Jh., über das Jahr 1200 reicht sicher keine Anlage hinauf.
Sie stellen sich uns als eine Kombination von mykenischem
Kuppelgrab und monumentalem Grabhügel dar. Ganz unter
mykenischem Einflüsse steht die Konstruktion der gemauerten
Innenanlagen, Dromos und (allerdings schon viereckige) Grab-
kammer. Monumentale Tumuli sind dagegen im ganzen Be-
reiche der mykenischen Kultur anscheinend unbekannt, denn
die mäßigen Erdanschüttungen über manchen mykenischen
Kuppelgräbern können niemals monumentalen Zwecken gedient
haben2. In den karischen Anlagen ist im Gegensatz zu den
1 JHS. VIII 1887, 66 ff.; AM. XIII 1888, 273ff.; Nac-hr. d. Gött. Ges.
d. Wiss. 1896, 233 ff.; Dragendorff, Thera II 101 f.; Annuario IV—V
1921-2 (1924), 425ff., 432ff., 491.
2 In diesem Belange hat mich G. Karo in gütiger Weise beraten.
Daß die Aufschüttung u. U. den Charakter eines richtigen Tumulus an-
nehmen konnte, ist natürlich möglich, doch lassen sich solche Fälle
m. W. nur ganz vereinzelt feststellen, so bei dem jüngst zu Samos auf-
gedeckten gemauerten Kammergrabe (Gnomon III 1927, 189; für weitere
mündliche Auskunft und Überlassung von Photographien danke ich
E. Buschor auch an dieser Stelle aufs beste; diese Anlage steht nach
Ausweis der in der Kammer gefundenen Keramik übrigens schon an der
Schwelle zur submykenischen Zeit) und bei einem vor kurzem zu Stym-
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