Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 41.1916

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FRITZ SCHACHERMEYR

gestellt war; daß man verschiedene (für uns in ihrer Termi-
nologie meist noch nicht übersetzbare) Gegenstände aus Eisen
im Gebrauche hatte und schon Waffen, besonders Dolche,
sowie auch Hämmer aus diesem Metalle kannte1.
Der in bezug auf die Eisenverwendung bestehende Gegen-
satz zwischen dem Hethiterreiche und seinen Nachbarländern
bedarf der Erklärung um so dringender, als, wie erwähnt, der
zwischenstaatliche Handel gerade damals in besonderem Maße
blühte.
Den Weg zur Antwort weist uns der Brief Hattusils an
Ramses II. (s. S. 413 A. 3). Er enthält u. a. die Bitte des Pharao
an den Hethiterkönig um Übersendung von Eisen, welche aber
von diesem abgelehnt wird. Hattusil erklärt, daß er gegen-
wärtig keines zu Verfügung habe; wenn er Ramses auf später
vertröstet, so ist das wohl kaum mehr als eine Höflichkeitsphrase.
In größeren Mengen wird er das kostbare Metall jedenfalls nicht
abgegeben haben.
Der Handelsverkehr scheint nach Ausweis der El Amarna-
Briefe damals allenthalben unter staatlicher Kontrolle gestanden
zu haben. Die Könige spielten in den internationalen Geschäfts-
beziehungen selbst die führende Rolle2. So konnte es dem
mächtigen Hethiterkönige auch möglich sein, die Kontrolle über
die Ausfuhr von Eisen aus dem in seinem Machtbereiche be-
findlichen Kizwadna in die Hand zu bekommen. Es stand
ihm nun frei, diese Monopolstellung in zweifacher Weise zu
nützen. Entweder förderte er die Eisenausfuhr im Interesse der
hethitischen Handelsbilanz oder er unterband sie im Interesse
der hethitischen Rüstungsindustrie. Daß sich die hethitischen
Könige für die zweite Möglichkeit entschlossen haben, dürfte
nach den vorausgegangenen Ausführungen kaum mehr zweifel-
haft sein. Sie werden es gewiß nicht unterlassen haben, ihre
Truppen nach Bedarf mit Eisenwaffen (bes. wohl Kurzschwertern)

1 Die Stellenliste gebe ich Reallex. f. Assyriol. s. v. Eisen.
2 Besonders deutlich wird uns das aus den zu El Amarna gefun-
denen Briefen des Königs von Alasia (Kypros); vgl. dazu meine Aus-
führungen Klio XVII 1921, 236 f.
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