Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 41.1916

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FRITZ SCHACHERMEYR

zungen und Katastrophen so reiche Zeit so wenig wie etwa die
Periode der Völkerwanderung geeignet gewesen wäre, die Er-
öffnung neuer Montanbetriebe zu begünstigen. Erst in einer
Zeit wiedereingetretener Beruhigung könnte solches vor sich ge-
gangen sein, doch sei bemerkt, daß noch in archaischer Zeit
der Bereich der Chalyber als das Eisenland galt (vgl. Rüge,
bei Pauly-Wissowa s. v. Chalybes), also auch damals die Ausfuhr
ostkleinasiatischen Eisens immer noch eine Rolle gespielt zu
haben scheint.
Ganz verfehlt ist schließlich die mitunter immer noch ver-
tretene Ansicht, daß im Verlaufe der ägäischen Wanderung
irgendwelche barbarische Wandervölker aus Europa ‘das Eisen’
in den Bereich der Ägäis mitgebracht hätten. Alle barba-
rischen Bereiche Europas stehen nämlich zuerst mit dem Ein-
tritt in die Bronzezeit, dann wieder mit dem Beginne der Eisen-
zeit gegenüber Griechenland und besonders Kleinasien zurück,
und zwar immer weiter, je größer ihr Abstand von den er-
wähnten Kulturzentren ist. In Italien tritt Eisen im XII. und
XI. Jh. im Gegensatz zu Griechenland nur in ganz wenigen
Objekten auf1. In Bosnien scheint sich die Bronzezeit nach
Ausweis der Funde von Tesanj noch viel länger gehalten zu
haben (Wissensch. Mitt. aus Bosnien und Herzegowina XI 1909,
60ff.). In M a ke d o n i e iy weisen die Funde, welche älter
sind als 1200, einen rein bronzezeitlichen Charakter auf, ja es
muß hier wie überhaupt im Balkanrumpf und sogar in Thes-
salien, das Neolithikum noch verhältnismäßig weit in das
II. Jahrtausend herabgereicht haben. In Ungarn hat die Eisen-
zeit später begonnen als in Italien, und in Mittel-, Nord- und
Westeuropa hat sich die Bronzezeit noch viel länger gehalten
(Prähist. Ztschr. V 1913, 314 ff.). In O s t e u r o p a führt Tallgren
die russische Bronzezeit bis über 500 v. Chr. herab2, in der
Ukraine hat nach dem Urteile des besten Kenners dieser Ma-
terie, M. Ebert (Südrußlahd 64), die Eisenzeit ‘spätestens um 900’

1 Bull, di Paletnol. Ital. IV 1878, 57f.; v. Duhn, Italische Gräber-
kunde I 128; Montelius, Vorklassische Chronologie 1912, 41 f.
2 Eberts Reallex. s. v. Finno-Ugrier A § 13; vgl. auch das von
Herodot I 215 über die Massageten Gesagte.
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