Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 42.1917

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Die monumentale Architektur der Chatti von Boghaz-köi

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deshalb seine Vorderseite turmartig verstärkt. Durch Innenteilung wird
die Zahl der Räume vermehrt, aber immer bleibt das Hilani ein in sich
geschlossener Block, der keine Einreihung verträgt. Isoliert und mit ver-
schiedener Orientierung liegen daher die einzelnen Hilanis auf der Burg
von Sendschirli (Abb. 9) und erst im 1. Jahrtausend werden sowohl im
oberen Palast (Tat. XX11 177) vier Gebäude die aber doch selbständig
bleiben, um einen Hof G gruppiert, als auch im unteren Palast die schon
bestehenden Hilanis H und 111 durch Säulenhallen verbunden, sodaß
der Hof R entsteht (Tat. L! 320)^). zweifellos unter fremdem Einfluß, da
sie ja der älteren Zeit fremd sind. Auch der nördlich angrenzende Hof M
ist durch die Herumgruppierung verschiedener selbständiger Gebäude
entstanden. Der Typus von Sendschirli ist also wie in Griechenland
konjunktiv 3).
Der Palast von Saktsche-Gözü^) gehört erst dem IX. oder V1H. Jahr-
hundert an. Trotz Garstangs gegenteiliger Versicherung scheint mir doch die
Umfassungsmauer später als die Häuser zu sein, da sie im Nordwesten eine
Zimmerecke überschneidet und die unmittelbar an ihr liegenden Räume
schmaler als die übrigen sind, so daß sie wie durchgeschnitten aussehen.
Nach Garstang sind auch an der Ostseite des Hofes Räume vorhanden
gewesen, so daß wir einen Hof mit Räumen an allen vier Seiten vor uns
haben. Im Norden hebt sich aus ihnen ein Komplex heraus, der aus einem
Vorzimmer mit Säuleneingang, einem dahinterliegenden großen Raum und
anschließenden kleineren besteht. Das ist ein Hilani des späteren Typus,
das fast ganz dem des oberen Palastes von Sendschirli gleicht. An dem
Vorzimmer setzt im Westen ein Zimmer an, das das Hilani mit den übrigen
Räumen verbindet; seine Vordermauer liegt zwar in einer Flucht mit der
des Hilanis, ist aber schmaler, und seine Hinterwand bildet keine Fort-
setzung der des Hilanis. Dadurch und durch den Hof dahinter zeigt sich
deutlich die Isolierung des Hilanis von den übrigen Räumen als eines selb-
ständigen Gebäudes. Der ganze Komplex erweist sich also wie die Hof-
systeme G und M in Sendschirl aus verschiedenen selbständigen Ge-

') P. jünger als Hilani 111 317, 371, 346 wahrscheinlich von Barrekub
gebaut.
Vgl. Schuchhardt, a. a. 0. 300 Anm. 1.
H Liverpool Annals of Archaeology V 1913 Tat. 111, 68 ff.; vgl. Send-
schirli 371.
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