Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 48.1923

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ZUM SARKOPHAG VON TORRE NOVA.

(Hierzu Tafel I).

Die Erklärung der einen Langseite und der beiden Schmal-
seiten des Sarkophags von Torre Nova (Not. d. scavi 1905,
408ff.; Röm. Mitt. XXV 1910, Taf. III, .IV; Reinach, Repert. de
reliefs III, 172) Abb. 1.2. 3, ist durch Fr. Hauser, Röm. Mitt. XXV
1910, 273ff. in dem entscheidenden Punkte, der Erkenntnis des
dargestellten Gegensatzes von aya/joi, ärsXsTg und svasßng, Ehe-
losen und Verheirateten über die Deutung des ersten Heraus-
gebers Rizzo weit hinaus gefördert worden. Aber mit dieser
Unterscheidung der beiden Typen ist das Rätsel doch erst halb
gelöst. Denn sobald wir als Teilnehmer einer dg c.'Äidov xazä-
ßaaig uns den jenseitigen Gestalten nähern, fragen wir mit
Aeneas bei Vergil und mit Dante im Inferno nach ihrer Indi-
vidualität. Nur die Säuglinge, die ä/iocQoi ßiov können
keine Antwort geben über ihr ungelebtes Leben. Wie auf der
Nekyia des Polygnot jede einzelne Figur ihren historischen
Namen 1 trägt, so können auch die Figuren des Sarkophags

1 Dieser Grundsatz des Polygnot, jeder Figur ihren Namen beizu-
schreiben, scheint merkwürdigerweise an ein paar Stellen durchbrochen.
Von den Wasserträgerinnen oberhalb der Penthesilea sagt PausaniasX31,5
ausdrücklich, daß sie keine persönlichen Nameninschriften trügen, son-
dern beide zusammen als Ungeweihte bezeichnet seien. Diese generelle
Beischrift bezieht sich offenbar auch auf ihre Nachbarschaft, die Wasser-
träger beim Faß (X 31, 8).

Anders gelagert ist der Fall bei zwei Figuren am Eingang der
Beschreibung. Den ruchlosen, von seinem eigenen Vater gewürgten
Sohn weiß Pausanias 28, 4 nicht zu benennen; daher ist die Beischrift
•jiarqaXüJiTjs, die ihm Robert in seiner Rekonstruktion (16. Hallisches
Winckelmannsprogr. Tafel) gibt, nur Conjectur, gewiß unrichtige. Denn
sicher war der Vatermörder eine bestimmte, einstweilen nur noch nicht
wieder aufgefundene Figur des Mythos. Pausanias hat aber den ur-
sprünglich beigeschriebenen Namen nicht gelesen, wir werden gleich
sehen, warum.
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