Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 48.1923

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LUDWIG CURTIUS

das vorauszusetzende Original des Sarkophags. Der etruskische
Kopist hat es durch Zusammenrücken der Figuren seinem Spiegel-
rund angepaßt, so daß für den Dreifuß kein Platz mehr blieb,
der Widder hinter der einen Tochter hervorspringt und sich
zwischen den beiden Mädchen kleine Überschneidungen ergeben,
die das Vorbild gewiß vermied. Wie nahe sich die Sinnende
des Spiegels und die Trauernde des Sarkophags stehen, brauche
ich nicht auszuführen. Gewiß geht die Herausarbeitung der
Charaktere der Schwestern, des unbedacht energischen der einen,
des nachdenklich schwankenden der anderen, die wir auf dem
Spiegel wie auf dem mit ihm gleichzeitigen Relief des Lateran
im Gegensatz zu den älteren Darstellungen finden, auf die
Tragödie zuriick.

Alkestis erscheint in der Vasenmalerei bisher nur ein ein-
zigesmal neben ihren Schwestern: auf der Hydria in Deepdeene
Tischbein, Coll. of Engravings I, 7, die Beazley a. a. O. 154
seinem Villa Giulia Meister zuteilt. Stil etwa um 440 v. Chr.
Wenn Sal. Reinach, Repert. des Vases II, 280 und Beazley a. a. O.
die Figur mit dem Schwert Medea benennen, so setzen sie sich
in Widerspruch mit dem Relief des Lateran und dem etruskischen
Spiegel, wo eben die eine Peliastochter das Schwert führt.
Gewiß hat das Theater das Kostüm der Medea geschaffen, in
dem sie auf dem Relief auftritt und auf der Vase zu erwarten
wäre. AIso sind auch auf der Hydria die zwei am Mord be-
teiligten Schwestern gemeint, wieder die energische und die
sinnende. Dann ist aber die dritte, unwillig davoneilende Al-
kestis. Auf der Schale im Vatican (Mus. Gregor. II Taf. 82, 1;
Archäol. Zeitung IV 1846 Taf. 40; Helbig, Führer 3 I, 346f,
Stil um 430 v. Chr.) hingegen agieren in jeder Szene drei
Töchter, von denen keine Alkestis ist, wie ähnlich auf der
Pyxis im Louvre Daremberg-Saglio, Dict. des Antiqu. III 2, 1664
Fig. 4876. Ähnlich auf dem pompejanischen Bild Helbig, Tafeln
zu Wandgemälde Campaniens Taf. XIX, 1261b, wo neben drei
Töchtern Medea mit dem Zauberkraut steht. Aber auf dem
pompejanischen Fresko dritten Stils Archäolog. Zeitung 1874
Taf. 13, Robert 134 ist Alkestis bei dem Widderwunder deutlich
als die sich mißtrauisch zurückhaltende, wohl auch durch die
Größe ihrer Figur als die zukünftige Heroine charakterisiert.
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