Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 48.1923

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GEBÄUDEMODELLE SPÄTGEOMETRISCHER ZEIT 55

von klarer schöner Farbe; nach den erhaltenen Spuren waren
es selbständige Striche besonders in der Nähe der Anten; doch
ist mir kein System klar geworden. Übrigens konnte ich auch
an einem rein geometrischen Vasenfragment aus der Argolis
im Magazin des Nationalmuseums ähnliches Rot bemerken, das
vor dem Firnisauftrag aufgespritzt schien.

B. Das zweite Bruchstück ist aus zwei Platten zusammen-
gesetzt (Taf. VI 2 und Taf. VII 1). Von der Bodenplatte ist
nur eine Ecke vorhanden. Sie zeigt im Gegensatz zur ersten
auch unten schwache Bruchspuren von zwei parallel zu den
beiden Rändern laufenden Teilen, auf denen die Platte also einst
ruhte. Oben sind zwei besser befestigte Platten abgebrochen,
von denen die eine erhalten ist. Sie ist 19 cm hoch und 27 cm
breit und paßt im Bruch an, und zwar überraschender Weise
im Winkel von etwa 63 °; genaue Messung ist freilich nicht
möglich, da die nur 1 cm dicke Platte etwas verzogen ist. Die
zweite, verlorene Platte von gleicher Stärke muß in demselben
Winkel geschnitten gewesen sein; sie saß 1,8 cm vom Rande
und ließ die schräge Platte etwa 9 mm vorragen. Am anderen
Ende dieser letzteren war ebenfalls eine senkrechte Wand an-
gefiigt, etwä 6—8 mm vom Rande und nur 3/* cm dick. Sie
unterscheidet sich jedoch von der ersten dadur'ch, daß sie nicht
gleichmäßig durchging: 11 cm vom unteren Rande ist ein ein-
springender Winkel erhalten, dessen einer Schenkel annähernd
senkrecht zur Bodenplatte verläuft.

Das ganze Fragment kann nun nichts anderes sein als ein
Dach, dessen hoher spitzer Giebel auf der einen Seite voll-
ständig geschlossen, auf der anderen, gewiß der vorderen, teil-
weise geöffnet war. Leider fehlt auf der Bodenplatte jede Spur
der zweiten Dachschräge; sie muß jedoch der erhaltenen sym-
metrisch gewesen sein. Ergänzt man sie so, indem man die
am weitesten vorspringende Kante der schrägen Platte als Mittel-
achse auf den Boden projiziert, so zeigt sich, daß sie gerade
jenseits des erhaltenen Bodenstücks aufgestanden hat. Beach-
tenswert ist, daß die schräge Platte oben etwa rechtwinklig ab-
geschnitten ist. Was an dieser Kante ansaß, kann nicht die
andere Dachschräge gewesen sein, die einen spitzen Winkel
erfordert hätte. Der abgebrochene Teil wird also auf die oben
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