Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 48.1923

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FRITZ KRISCHEN

das Antenkapitell einer flachen Schicht entsprechen und nicht
wie hier Hals und Kapitell aus einem Blocke der allgemeinen
Schichthöhe bestehen. Wir haben der Wand als unteren Ab-
schluß ein Sockelprofil gegeben. Ein solches ist beobachtet,
aber leider nicht erhalten worden. Wenn wir uns — not-
gedrungen — nach Analogien dafür umsehen, werden wir nach
der ganzen architektonischen Haltung am ehesten den Niketempel
und den Tempel am Ilissos zum Muster nehmen dürfen.

Der Cellafries ist fiir uns besonders wichtig, zunächst weil
wir mit ihm den Fugenschnitt der Wände kontrollieren miissen;
und in der Tat ergibt sich keinerlei Widerspruch gegen die oben
gefundene Lösung. Vor allem aber gibt er den entscheidenden
Fingerzeig fiir die Betrachtung der iibrigen Friese. Unsere Be-
obachtung, daß eine Seite der Cella besonders stark beschädigt
sein miisse, hat sich an ihm bewährt. Es ergab sich, daß es
eine Langseite ist. Wir dürfen es aber als höchst wahrschein-
lich ansehen, daß dieser Umstand fiir das ganze Gebäude gilt
und bei allen iibrigen Friesen von dieser Wahrscheinlichkeit
ausgehen. Dadurch wird nunmehr die Anordnung der Architrav-
balken noch erleichtert, bei denen durch die festliegenden Joch-
breiten die Aufgabe an und fiir sich schon einfacher ist. Wir
erhalten fiir eine Schmalseite die Jagdszenen (wie bei Niemann,
aber mit Reischs Abänderungsvorschlägen), fiir die besser
erhaltene der beiden Langseiten die ziemlich ausgedehnte Kampf-
szene, von der vier Architrave zusammenkommen, also einer
fehlt; der längste (bei Michaelis XVII, VIII) diirfte ein Eck-
balken sein (Taf. XII). Der Rest ist jetzt nur noch in zwei
Gruppen zu teilen, von denen diejenige der eilig schreitenden
Victualienträger auf die beschädigtere Langseite kommen muß,
da sie den kleineren Betrag darstellt, auch wenn man die ruhige
Gruppe (XVII, VI), die wohl das Ziel des Aufmarsches ist, hin-
zunimmt. Die Platten IV, V und rechts davon I ergeben die
Schmalseite.

Von dem gesicherten Tatbestande des Pterons können wir
zum Sockel nun in der Weise übergehen, daß wir die Betrachtung
über die Entwurfsmethode, die an diesem Bauwerk angewandt
worden ist, wieder aufnehmen. Wenn wir genauer zusehen,
werden wir finden, daß die Teilung der Höhe des Pterons in 4
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