Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 48.1923

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BEMERKUNGEN ZUR ARCHAISCHEN KUNST 141

ganzen schief, überschnitt aber den Körper natürlich nicht mehr
mit einem schrägen Rande. Dieser Sonderfall kann hier zu-
nächst aus dem Spiele bleiben. Es fragt sich nun, ob der
schräge Mantel klein war und nur den
Oberkörper umschloß, oder ob er bis
zu den Füßen herabreichte. Die Poly-
chromie der Marmorplastik scheint auf
den ersten Blick entschieden für dieses,
die der Terrakotten und die Zeichen-
weise der sachlich deutlichsten Vasen-
bilder für jenes zu sprechen (Abb. 6).

Die Marmorstatuen zeigen außer dem
Haare nur eine große Farbfläche: den
Chiton oberhalb des Mantelrandes an
Schulter, Brust und Arm. Das übrige
Qewand ist einheitlich marmorfarben
mit bunten Borten und leichten Streu-
mustern 1. Gerade umgekehrt ist es bei
den Terrakotten: da überquert ein roter,
weißer oder blauer kleiner Mantel den
weißen oder rotenChiton 2. Unterdemhel-
len Qewande der Marmorstatuen kommt
niemals, auch bei kräftiger Raffung um
die Knöchel nicht, ein Untergewand her-
aus. Soweit der erste Eindruck. Wir
kommen auf die Frage der Polychromie
zurück, beschreiten aber zunächst einen
anderen Weg; denn der Gegensatz der
farbigen Erscheinung von Statuen und
Terrakotten erfordert zwar eine Erklä-
rung, aber diese kann nicht zur Grundlage der Beweisführung
dienen.

1 In einem Ausnahmefall umfaßt diese Behandlung das ganze Ge-
wand: Nr. 682, die manierierteste Kore, Auswahl T. 4 (Festschr. 20;
Winter, Kunstgesch. in Bildern 216, 5). Ähnlich, aber nicht ganz so
ornamental ist der schräge Faltensaum bei Nr. 598.

2 Winter, Arch. Anz. VIII 1893, 141 f. 5, 9 (Perrot VIII 623); Casson-
Brooke, Cat. Acrop. Mus. II 350.

Abb. 6. Attische Terrakotte.
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