Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 48.1923

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GABRIEL WELTER

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archäologischen Rat des griechischen Kultusministeriums sei für
die in liberaler Tradition bereitwilligst erteilte Grabungserlaubnis
bestens gedankt.

In einer Tiefe von 1,10 m unter dem Pflasterniveau des
Nikebezirks wurde eine polygonale Stützmauer (Taf. V 9) frei-
gelegt, die seit Bohns Propyläenaufnahme bekannt war, ohne
daß iiber ihre Bestimmung Näheres feststand (Bohn, Prop. *
Taf. 20, S. 15; Kavvadias-Kawerau Akropolisplan Taf. 6 Nr. 90,
Sp. 130 u. 138; JudeichTopogr. 203; Oesterr. Jahresh. 1922,47).
Sie besteht aus zwei Schichten mittelgroßer Burgkalksteine —
zwei Blöcke sind aus hellerem Karakalk — mit horizontalen
Lage- und schrägen Stoßfugen. Die obere Schicht ist hori-
zontal abgeglichen, was auf Abschluß der Mauer zwecks Auf-
nahme einer Lehmmauer hinweist. Zur Untersuchung der
Schichten zwischen den Pflasterplatten des Nikebezirks und
der Stützmauer konnten aus verkehrstechnischen Gründen die
Pflasterplatten nicht entfernt werden. Es wurden daher im
Niveau der Stiitzmauer mehrere Stollen in das Innere des Nike-
bezirks vorgetrieben (Taf. IV 1 rote Schraffur). Bald zeigte sich,
daß höhengleich mit der Stiitzmauer das Niveau eines alten
Temenos lag. Die polygonale Stiitzmauer ist demnach als
Sockel fiir die aufgehende Mauer aus Lehmziegeln zu betrachten,
die das alte Temenos umgab. Innerhalb dieses Temenos liegt
vor der Nordostecke des Tempelfundaments eine quadratische
Basis aus Poros (Taf. V 2, 3) in ursprünglicher Lage. Sie ist
nach der Mauer orientiert, d. h. ihre Vorder- und Rückfläche
ist mit ihr gleichlaufend. Die Plinthe ruht auf einer im Boden
eingelassenen quadratischen Fundamentplatte. Der Körper ist
glatt, ohne Fußprofil, an zwei Seiten ist unten Werkzoll stehen
geblieben. Der obere Teil ist gekappt worden. — Der Stollen,
der nach der Stelle unter dem Altar des Niketempels gerichtet
wurde, fiihrte zur Feststellung des Altars des alten Bezirks
(Taf. IV 3, 4, V 4, 8). Er besteht aus Poros, ist rechteckigen
Grundrisses und erhebt sich auf einer im Boden eingelassenen
Fundamentplatte. Die Plinthe ist hoch, der Körper hat ein stark
geschwungenes, glattes lesbisches Kymation als Ablauf. An der
Ostseite ist eine diinne Mauer aus Lehmziegeln vorgebaut, wohl
ein Windschutz. Die einzige Einzelform, das glatte lesbische

ATHENiSCHE MITTEILUNGEN XXXXVIII 1923. 13
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