Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 48.1923

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VOM NIKEPYRGOS

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liche Richtung, die Nordwand dagegen streng west-östliche.
Südwand des Pyrgos, Tempelachse und Nordmauer des alten
Temenos sind demnach einander parallel. Da, wie wir oben
sahen, die Nordmauer des alten Bezirks nach dem Altar orien-
tiert war, ist mit größter Wahrscheinlichkeit ein Gleiches von
der West- und Südmauer anzunehmen, um so mehr, als auch
die betreffenden Seiten des Pyrgos die gleiche Richtung NO-SW
und NW-SO aufweisen. Der Pyrgos ist also eine Erweiterung
des alten Temenos im Westen und Süden unter Beibehaltung
der alten Richtung, für die Nordflucht allein wird eine neue Flucht
gewählt. Um dies zu verstehen, müssen wir uns den Burg-
aufgang zur Zeit des vormnesikleischen Propylon und vor der
Erbauung des Pyrgos vergegenwärtigen. Eine hohe, west-
östlich verlaufende polygonale Mauer (BohnTaf. 2; Kavvadias-
Kawerau Taf. 6; Köster, Pelargikon Taf. 1, S. 9) stützt die Erd-
massen der Wegrampe, die zum Propylon hinaufführt. Solange
der Bezirk der Athena Nike klein blieb und sich auf den oberen
Teil des Felsklotzes beschränkte, fiel die Verschiedenheit der
Axenrichtung zwischen der Stützmauer der Rampe und der
Nordmauer des Niketemenos nicht ins Gewicht. Sobald aber
durch die Vergrößerung, also durch den Bau des Pyrgos, die
Nordmauer ein monumentales Ausmaß erhielt, hätte eine der
Temenosaxe gleichlaufende Flucht der Pyrgoswand eine Ver-
engung der Rampe an einer Stelle und unmittelbar darüber eine
starke Verbreiterung derselben gezeitigt: gewiß eine unmögliche
Lösung, die den Axenunterschied in der denkbar unvorteil-
haftesten Weise hätte hervortreten lassen. Die gegebene und
natürliche Lösung war eben die Wahl der west-östlichen, der
Rampenaxe parallelen Flucht. Dies hatte aber zur Folge, daß
die schräglaufende Stützmauer des alten Bezirks von der Nord-
mauer des Pyrgos durchschnitten wurde. Ganz entfernen konnte
man die Mauer aus technischen Gründen nicht. Sie störte auch
weiter nicht, solange sie über Binderabstand von der neuen
Fluchtlinie lag. Überschritt sie aber diesen Abstand, so mußten
in der Pyrgosmauer statt der Binder Läufer eingesetzt werden,
wie dies in der fünften und der siebenten Schicht von oben
gerechnet auch geschehen ist: die Läufer erhielten dort markierte
Binderfugen (Bohn S. 29). Durch ein Vorlegen der Flucht mehr
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