Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 11.1895

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Architektonifche Rundfchau

SKIZZENBLÄTTER
AUS ALLEN GEBIETEN DER BAUKUNST

HERAUSGEGEBEN
VON
Ludwig Eisenlohr und Carl Weigle
ARCHITEKTEN IN STUTTGART.

11. Jahrgang 1895. •«—-
12. Heft.

Monatlich eine Lieferung zum Preise von Mark 1, 50.


IN HALT.

Tafel 95. Villa „von der Burg“ im Belvoir-Park in Zürich;
erbaut von H. Stadler & E. Usteri, Architekten daselbst.
Das prachtvoll am linken Seeufer an der Peripherie Zürichs
gelegene Besitztum „Belvoir“ war von der unglücklichen Besitzerin
Lydia Escher nebst ihrem mehrere Millionen betragenden Ver-

zimmer mit einem Boudoir und Bad. Die Baukosten werden sich
auf ca. 120000 Franken belaufen.
Tafel g6. Wohnhaus an der Steinsdorfstrasse (Cafe Neptun)
in München; erbaut von Architekt E. Seidl daselbst.
Bei der äusseren Gestaltung dieses Gebäudes liess sich der



Grundrisse des Wohnhauses an der Steinsdorfstrasse (Cafe Neptun) in München; erbaut von Architekt E. Seidl daselbst.

mögen als Gottfried Keller-Stiftung der Eidgenossenschaft ver-
macht worden. Um dasselbe der Bauspekulation und der drohenden
Zerstückelung zu entreissen, bildete sich in Zürich eine gemein-
nützige Gesellschaft, welche das Landgut um den mit Rücksicht
auf den Zweck sehr billig gestellten Preis von 600000 Fr. erwarb.
Die vorhandenen Mittel reichten jedoch nicht hin, den Park voll-
ständig intakt zu erhalten, und es mussten daher den umliegenden
Strassen entlang Bauplätze für freistehende Villen abgetrennt
werden, für welche specielle Bauvorschriften erlassen wurden.
Das Landhaus, welches wir hier unsere Abonnenten vor-
führen, ist im Bau begriffen und kommt auf die Ecke jenes
Terrains gegen die Stadt zu liegen. Dasselbe enthält im Unter-
geschoss die Küche mit den nötigen Wirtschaftsräumlichkeiten,
im Erdgeschoss die reizvoll um eine Halle gruppierten Wohn-
räume mit anschliessenden Veranden, im Obergeschoss die Schlaf-

Architekt von dem Gesichtspunkt leiten, dass dasselbe den Zu-
gang zu der gegenüber einmündenden Isarbrücke betonen solle,
und legte deshalb einen Hauptwert auf eine kräftige Entwicklung
der Silhouette.
Aus dem Umstande, dass im Erdgeschoss eine grosse Restau-
ration mit Arkaden eingerichtet werden sollte, welche eine be-
deutende Tiefe gegenüber den Zimmern der darüber liegenden
Mietwohnungen verlangte, ergab sich von selbst der einspringende
Winkel, welcher für das Eckhaus eine besonders günstige
Grundrisslösung hauptsächlich in Bezug auf die Lichtgebung ge-
stattete.
Die Restaurationsräume sind in reicher, feiner Stuccatur-
technik dekoriert mit Brunnengrotte, Spiegelkabinett etc.
Die Aussenseiten des Hauses bestehen in der Hauptsache
aus Kalksteinen der Steingewerkschaft Offenstetten.
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