Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 5.1971

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Karol Eudovit Libay: Ansicht auf die Hohe Tatra von Poprad, Litographie, 1861 (?)

Aus der Atmosphäre des ehemaligen Gebietes
Novohrad entstammte der aus Lučenec gebürtige
Štefan Ján Szále (1811 —1863). Sein Leben verlief
rapsodisch, voll Unruhe von Ort zu Ort getrieben. Die
letzten Jahre verlebte er wechslend bei Bewusstsein
und in Anfällen von Geistesgestörtheit in Bratislava.
Das von realistischen Prinzipien durchdrungene
Werk Szale’s verklang in Zugeständnissen an eine
urwüchsige zeichnerische und farbige Stilisierung,
zugleich bei der Anwendung einer hellen Skala
lokaler Farben (Porträt des Herrn Motešický, 1861 ).
In Rimavská Sobota kam das Schaffen des
ungarischen Malers Julius Sándy (1872 1894)
mit der Slowakei in Berührung, in der er als
Gymnasial-Zeichenprofessor wirkte (Rimavská So-
bota, Prešov, Košice). Im Verlauf der Jahre wurde
er zwar nach Buda (Ofen) versetzt, doch auch
nachher unterhielt er regelmässige Kontakte mit
der Slowakei. Wahrscheinlich als Autodidakt be-
fasste er sich mit dem Volks-Porträt und der
Vedute.
Sândy’s düstere Töne wurden bunt und auf-
gehellt, wenn er slowakische Typen malte. Aus
ihnen erwuchs ein Zyklus mit deutlich grossem
Verständnis für die Folklore und einer urwüch-
sigen Einstellung zu den gemalten Typen (Liptauer

Sennenhirt, Weib aus der Zips, Oberhroner Wallache,
Oberhroner Weidengesang). Wie ein Prolog wirkt
zu dieser Serie die Komposition Die Obstverkäuferin
aus Zacharovce (1865). Natürlicherweise handelt
es sich bei Sándy um keinen Beitrag zur Aufklärung,
sondern eher um eine national unvoreingenomme-
ne statische, mit bescheidenen Mitteln realisierte
Exposition des slowakischen Volkslebens. Doch
in jedem Falle kann man bei Sándy von einer
Orientierung bei der Wahl des Sujets sprechen,
die parallel zur klassichen Tradition der modernen
slowakischen Kunst verläuft, welche an die völker-
kundliche Inspiration und an die ethnografische
Eigenart überhaupt, gebunden ist.
Der Bildhauer Ladislav Halász (zirka 1820 —
nach 1882) erlernte vor allem das Steinmetzhand-
werk bei Marc Casagrande in Esztergom. Nachher
arbeitete er in seinem Geburtsort Rimavská Sobota
und in anderen Städten. Im Auftrag der serbischen
Regierung schuf er in Belgrad die Statue des Fürsten
Michal Obrenovič (1873).
Künstlerisch begannen sich von dieser Zeit an
nicht nur die Angehörigen des niederen, sondern
auch die des höheren Adels zu betätigen, welcher
früher eine solche Betätigung nur als Zeitvertreib
auffasste und sie daher nur im Rahmen eines eng

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