Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 5.1971

Page: 111
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/ars1971/0117
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Bildnismalerei, als an ein Streben nach tieferer
psychologischer Analyse und Aussage.
Parallel mit der Verbreitung und dem näheren
Kennenlernen von Kräckers Oeuvre, zeigt sich,
dass es nötig sein wird aus diesem einige ältere,
wie auch neuere falsche Attributionen auszu-
gliedern. Vorallem soll dabei an die Freskenaus-
Schmückung der heute schon demolierten Pfarr-
kirche in Kremnica22 gedacht werden, weiter an
das Fresko und Gemälde „Die Heimsuchung der
Jungfrau Maria“ aus der Trebischover Pfarr-
kirche,23 wie auch an das Fresko in der Sakristei
der einstmaligen Prämonstrantenserkirche in Le-
ies.24 Die Bedeutung von Kräckers Werk in der
Slowakei wird dadurch keineswegs geschmälert
werden, im Gegenteil, im Lichte der unzähligen
anonymen und nicht anonymen Epigonen und
Nachfolger, die die neuere Forschung entdeckt,
tritt die Antriebs- und Anziehungskraft seines
Beispieles und die Radiation seines Einflusses
nur bedeutender hervor.
Tn den slowakischen Bedingungen ist zweifellos
Anton Schmidt (1718— um 1773, bzw. 1784)25 der
bedeutendste dem krackerschen Kreis angehörende
Schüler und Zeitgenosse des Meisters, auf den
schon Klara Garas, vorläufig jedoch nur im Zusam-
menhang mit den mittelslowakischen Bergwerk-
städtten, hin wies. Neue Feststellungen weisen auf
die Tatsache, dass die Spuren seines Werkes bis in
die Ostlowakei reichen, besonders in das entfernte
Gebiet der Zips und in jenes des Scharischer
Komitats (Vrbov, Velká, Podolínec, Stará Eubov-
ňa, Tvarožná, Sabinov u. a.). Es ist nicht ausge-
schlossen, dass Schmidt eine gewisse Zeit einer der
mehreren Mitarbeitern in Kräckers Werkstätte
war. Sein lyrischer, empfindsam unterfärbter, im
slowakischen Milieu so verankerter Vortrag, wie
dies z. B. das sich in der Sammlung des Museums
der Stadt Kremnica befindende zarte, farbig-dezent
Gemälde „Die Verlobung der hl. Katharina“ be-
zeugt (Abb. Nr. II und 16), steht Kräckers Malerstil
sehr nahe. Aus Kräckers Beispiel schöpfte Schmidt
auch für sein monumentales Schaffen, dessen aus-
drucksvollste Arbeit die grosse Freskenmalerei
„Die Krönung der Jungfrau Maria“, in der Pfarr-
kirche in Banská Bystrica (Abb. Nr. 17) ist. Durch
die immer fortschreitende Loslösung von Kräcker,
verliert Schmidt den Kontakt mit dem zeitgenös-
sischen künstlerischen Geschehen. Sein künstleri-
scher Ausdruck nimmt durch den Verlust der

Inspirations- und Regenerationsquelle an Konven-
tion zu; als Maler von keiner breitbemessenen
Invention ausgestattet, fällt er durch stetes Wieder-
holen der Typen- und Kompositionsschemen einer
Stereotype und Schemenhaftigkeit anheim. Kräc-
kers künstlerischer Nachlass reicht auch bis an
Schmidts Kreis und mit seinem Namen kennzeich-
net er auch die bis jetzt noch nicht identifizierten
Mitarbeiter dieses Kreises.
Ohne jedwede Auffälligkeit war Kräckers Ein-
fluss auch an das Werk des um eine Generation
jüngeren Erasmus Schrott (1755- 1804) gedrungen,
den ersten Restaurator der Arbeiten des Künstlers
in Jasov26 und den Autor, der die spätbarocke
Konzeption seiner Fresken in die Lagen des Klas-

20. Erasmus Schrott, Apotheose des ungarischen Rechts,
Deckenfresko aus dem Treppenaufgang des ehemali-
gen alten Rathauses in Košice 1781


111
loading ...